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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

berg, Breslau, Wien schlossen sich au. Manche Glieder erwarben sicheinen klangvollen Namen. Außer Mendelssohns Söhnen Joseph undAbraham (später Bartholdy) gehörten dazu, Joel Löwe aus demMeasfim-Kreise, und Wesselys Neffe, der Musikdirektor Bernhard Wessely.Mehrere von ihnen sind später zur Kirche übergetreten. Ein Bandinnerlicher Verbrüderung umschlang die Theilnehmer, und bis auf denheutigen Tag hat sich der brüderliche Sinn taktvoller Wohlthätigkeitin der Gesellschaft erhalten. Aber es war doch eine krankhafte Er-scheinung. Die Gesellschaft schwebte in der Luft ohne feste Grundlage,sie hatte weder Wurzel in der eigenen Mitte, im Judenthum, nochschloß sie sich einem großen, ganzen, staatlichen Leben an. Ihr Zielwar lediglich auf leibliches Wohlergehen und gesicherte Ruhe gerichtet,als wenn der Mensch, der gesittete Mensch, vom Brode allein lebenkönnte; die Schlagwörter und Phrasen von Bildung und Aufklärunghielten nicht weit vor. Ihr Kampf gegen das Alte war auch schwächlicherArt; sie brachten es höchstens dahin, daß ihre verstorbenen Mitgliederlängere Zeit vor der Beerdigung über der Erde blieben. Kurz, esfehlte derGesellschaft der Freunde" das, was allein geschichtlichfruchtbringend ist, der Sauerteig der Begeisterung. Ohne diesesElement leidet jedes noch so gut gemeinte Streben an Hohlheit undwelkt vor der Blüthe.

Wenn die Mitglieder dieser Gesellschaft keinen rechten Halthatten, so entbehrten ihn noch mehr diejenigen, welche nicht einmalein ideales, sei es auch nur ein erträumtes, Streben kannten, dieAlltagsmenschen, die sogenannten aufgeklärten reichen Kanfleute, welchedem Luxus fröhnten und in dem Anschluß an die Christen ihre Glück-seligkeit suchten. Das Alte fesselte sie nicht mehr, und das Neuehatte noch keine faßbare Gestalt, um sie anzuziehen. Das Beispieldes Hofes und des hochstehenden Gesellschaftskreises übte seinen ver-derblichen Einfluß auch auf die Juden der großen Städte Preußensaus.Preußen war unter Friedrich Wilhelm II.", wie der geistvolleSchriftsteller Mirabeau ans Augenschein bemerkte,in den Zustand derFäulniß gerathen, ohne durch das Stadium der Reife hindurchgegangenzu sein". Auf das eiserne Zeitalter Friedrichs des Großen undFriedrich Wilhelms II. war ohne Uebergang ein liederliches gefolgt.Die Deutschen, damals die Affen der Franzosen, copirten erst dieSittenlosigkeit und Frechheit Ludwigs XV-, als in Frankreich bereitsSittenstrenge oder wenigstens Entrüstung über die liederliche Wirthschafteingetreten war. Zügellosigkeit galt als Genialität. Berlin, die Stadtder Beamten und Soldaten, an Abhängigkeit von oben gewöhnt, folgtedem Beispiele des Hofes gewissermaßen aus unterthänigem Gehorsam,