Saul Berlin.
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Er selbst legte sein Amt als Rabbiner von Frankfurt nieder und entschloßsich, nach England gewissermaßen zu entfliehen. In seinem Testamentewarnte er Jedermann, in seine Papiere einen Blick zu werfen. Erhatte Manches zu verheimlichen.
Durch die Reibungen zwischen den Aufgeklärten und Altfrommen,die beide das Maß überschritten, entstand in der Berliner Gemeindeeine aufregende Spannung. Die Jugend: Hauslehrer, Handlungs-diener, die Söhne der Reichen, die Modenarren, trug eine leichtsinnigePhilosophie zur Schau, setzte einen Stolz darein, ihre greise Mutterzu verhöhnen, und betrachtete Alles, was ihren Lüsten im Wege stand,als Aberglaube, Vorurtheil, rabbinischen Aberwitz. Die Anhänger desAlten waren dadurch uni so zäher und klammerten sich an Alles, waseinen religiösen Anstrich hatte. Da die altfrommen Gemeinde-Vor-steher oder Verwalter von Wohlthätigkeitsanstalten noch das Heft inHänden hatten, so entzogen sie besonders den fremden Anhängern derAufklärung jede Unterstützung, nahmen die Kranken nicht in das jüdischeHospital auf und versagten den Todten ein ehrenhaftes Begräbniß.Kurz, cs wiederholten sich alle die Erscheinungen, welche religiöse Partei-bildungen zu begleiten pflegen, dieselbe gegenseitige Gehässigkeit, wieeinst zwischen den Nationalen und den der Nation sich entfremdendenHellenisten. Die Familienlosen, zu denen auch zwei Leiter derMeasfim gehörten, Euchel und Wolfsohn, empfanden die Kluft undkamen darauf, sich unter einander zu verbrüdern, um nicht vereinzeltden Stockfrommen gegenüber zu stehen. Sie wollten einen Verein bilden,der die Mitglieder in Schutz nehmen sollte. Mendelssohns ältesterSohn Joseph nahm die Stiftung desselben eifrig in die Hand, undda dieser Name einen guten Klang hatte, so fand er zahlreiche Teil-nahme. So bildete sich die „Gesellschaft der Freunde" (1792 ^),eine aufgeklärte Gemeinde in der Gemeinde, bloß aus ledigen Jüng-lingen bestehend, deren Hauptzweck zwar darin bestand, einander alsBrüder zu betrachten, einander mit Rath und Beistand zu fördernund in Nothfällen und Krankheiten auskömmlich zu unterstützen; aber derNebenzweck lautete: Bildung zu verbreiten und Aufklärung zu fördern.Dje „Freunde" nahmen Mendelssohns Ausspruch: „Nach Wahrheitforschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste thnn" zu ihremWahlspruch. Ein Bündel Stäbe war ihr Symbol. Ter Vereinzählte gleich im ersten Jahre seiner Stiftung mehr als hundert Mit-glieder ans der Hauptstadt. Auch auswärtige Jünglinge in Königs-
9 Die Statuten der Gesellschaft und die ersten Mitglieder sind zusammen-gestellt in Lesser, Chronik der Gesellschaft der Freunde, Berlin l842, eine50 jährige Jubiläuinsschrift.