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Geschichte der Juden.
läßt, großes Aufsehen und versetzte mit Recht nicht bloß den An-gegriffenen, sondern auch viele Rabbinen Deutschlands in heftigeVerbitterung. Von einem Standesgenossen, der sich durch eine Maskeder Verantwortlichkeit entzog, bloßgestellt zu werden, war bis dahinbeispiellos. Sie scheinen den Plan gefaßt zu haben, Schrift, Verfasserund auch sämmtliche Druckschriften der Berliner Freischule mit demBanne zu belegen. Hirschel, der Vater des Verfassers, nicht weniger alsdie andern Rabbinen entrüstet, war nahe daran, zuerst seine Stimmegegen die Verschwörung zu erheben. Da flüsterte ihm ein Vertrauterins Ohr, mit Anspielung ans einen Bibelvers: daß sein Sohn Saulder unehrliche Urheber dieser Gemeinheit sei. Diese Nachricht lähmteihn. Er war nicht stark genug, seinen Sohn die Strafe empfinden zulassen, die er einem Fremden zngedacht hatte. Von David Friedländerund Genossen gedrängt, erklärte er im Gegentheil: es liege ihm fern,die ehrlose Schrift, ihren Verfasser und die Druckerei der Freischulezu brandmarken; das ausgesprengte Gerücht sei falsch. Hirschel wenigstensdurfte sich nicht beklagen, wenn die Berliner Aufgeklärten sämmtlicheRabbinen und überhaupt das Rabbinerthum mit Schmach bedecktenund verächtlich machten ^).
Obwohl die Vermummung dem Verfasser keine Ehre eintrug,setzte er sie doch in größerem Maßstabe fort, gab wahrscheinlich inVerbindung mit dem Fälscher Isaak Satanow eine Sammlung vonGutachten heraus-), angeblich unter der Vaterschaft Ascheris, geradedessen, der zuerst im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert denaußertalmudischen Wissenschaften den Krieg erklärt hat (B. VII, 234g).Diesem Eiferer legte Saul, ungeschickt genug, abgedroschene freisinnigeAnsichten seiner eigenen Zeit in den Mund, täuschte damit sogar seineneigenen Vater und ließ sich für diese plumpe Fälschung zahlen. Erwurde aber, als sie kenntlich wurde, von Sachverständigen gebrand-markt. In Mähren wurde die gefälschte Schrift öffentlich verbrannt.
Vater Sauls ins Ohr flüsterte: umi min Vgl. darüber auch Sammler,
Jahrg. 1789, S. 223 f. 262—273 fu. Landshuth a. a. O. S. 87-99).
sWenn man die von Landshut a. a. O. mitgetheilten Aktenstücke un-befangen liest, wird man doch wohl zu einem milderen Urtheil gelangen).
'st 2 'vvr, angeblich von Isaak de Molina gesammelt, mit Sauls Com-mentar uwini uv- versehen 1793. Daß diese Schrift eine Fälschung ist, brauchtnicht weitläufig bewiesen zu werden. Vgl. Mard. B enets Schreiben an HirschelLevin, Orient, Jahrg. 1844, Littbl. eol. 53, 140, Zunz Ritus Beilage, derdas Thema erschöpft hat. Was Jost, Beil, zu Geschichte des Judenthums B.III. «. 396 s. dagegen vorbrachte, ist nichtssagend. fVgl. ferner Landshutha. a. O. 2. 99 — 105 und Brann in der „Jubelschrift zum 70. Geburtstagedes Prof. Grastz," S. 255 ff.).