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Geschichte der Juden.
Hand. In allen judenfeindlichen Schriften wurde es als Unmenfchlichkeitder Inden ausgelegt, daß sie Scheintodte ins Grab legen. Die öffentlichenBlätter, selbst die judenfreundlichen, ergingen sich in Anklagen gegendas alte Judenthum.
Die Measfim-Männer waren schlau genug, an Markus Herz dieAufforderung ergehen zu lassen, sich als kundiger Arzt auszusprechen'),worauf dieser eine eingehende Schrift darüber veröffentlichte (1788),worin er nicht bloß mit medizinischen, sondern auch mit talmudischenBeweisen das Vorkommen des Scheintodes und die Unsicherheit derTodessymptome durchführte 2 ). Schonungslos griff Herz die Führerder Gegenpartei an: „jene aufgeblähten unwissenden Eiferer, die gernedie Vernunft ganz vom Erdboden verbannt wissen möchten . . Eifererwie der ehemalige Rabbi Jakob Emden in Altona und der gegenwärtigeRabbiner Ezechel in Prag, welche die Nation, deren Bildung ihnen ob-liegt, so gerne in der engsten Eingeschränktheit erhalten, alle außer-talmudischen Wissenschaften wie Staub achten ... Wahrlich, so dachtendie Talmudisten selbst nicht; denn sie waren weise Männer, und der istnie weise, der sich einbildet, alle Weisheit erschöpft zu haben".
Ueberhaupt war Ezechiel Landau die Zielscheibe des Angriffsder Berliner Aufgeklärten von allen Seiten. David Friedländer undEuchel hatten die täglichen synagogalen Gebete aus dem Hebräischenins Deutsche — der erstere in seiner hölzernen Manier — für dasweibliche Geschlecht übersetzt. Die Frommen, welche eine dunkle Ahnungdavon hatten, daß durch derartige Uebersetzungen das Judenthum zurGebet-Religion, zu einem Affen des Christenthums, herabgedrücktwerden würde, fühlten ein Unbehagen dabei, und ein Prediger inPrag (Eleasar Fleckeles) eiferte dagegen wie gegen eine schwereSünde und veröffentlichte diese Predigt in hebräischer Sprache, jedochohne die Uebersetzer zu nennen. Alsbald veröffentlichte Friedländer(1788) noch einen Angriff, mehr gegen Landau, der diese Predigt ge-lobt hatte, als gegen den Verfasser und machte dessen hebräischen Styldurch eine Uebersetzung ins Deutsche lächerlich^.
Gegen den anderen Vertreter der Stockfrömmigkeit, Raphael Kohenin Hamburg, eröffnete Friedländer und sein Schwager Jtzig in Ver-
') Das. S. 203.
H Markus Herz, über die frühe Beerdigung der Juden (Berlin 1788) S. 36.Hintereinander sind zwei Auflagen davon erschienen, die zweite enthält einePolemik gegen den Hofmedicus Marx in Hannover, der den Scheintod ge-leugnet hatte.
2 ) Friedländer, Schreiben an meine Mitbrüder in Deutschland, auch alsBeilage zum Sammler 1788.