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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Die Schule der Aufklärung.

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von sich zu stoßen, während in Wahrheit sein Inneres von dem ganzenJudenthum erfüllt war. Selbst seine eigenen Kinder, auch seine geist-vollen Töchter verkannten ihn. Diese Verkennung hat vielfach Verirrunghervorgernfen.

Mit jedem Schritte, den die Berliner Schule der Aufklärungvorwärts setzte, trat sie in Gegensatz zur Gesammtjndenhcit, welche nochin der bewußtlosen Unmittelbarkeit steckte, verletzte deren Empfindlichkeitund vereitelte dadurch ihre eigene Wirksamkeit. Mißverständnisse, Er-bitterung, Reibung und Kampf waren die nächsten Folgen. Eineraus der Measfim-Schule hatte die Höllenpein, wie sie die Phantasieder Asketen und Kabbalisten ausgemalt hat, lächerlich gemacht*).Darüber wurde der ehrlich-fromme Wessely außerordentlich aufgeregtund machte den Leitern in einer Abhandlung Vorwürfe, worin er dieBeweisführung unternahm, daß die Bibel schon eine Hölle und Höllen-strafen kenne 2). Bon dieser Zeit an trennte sich Wessely von denVertretern der aufklärerischen Richtung.

Aber noch weniger Männer von Bedeutung als die Richtungder Aufklärung zählte die der Stockfrömmigkeit. Der bedeutendsteFührer derselben, Ezechiel Landau in Prag, der wenigstens als Spitzeangesehen wurde, hatte auch nicht das geringste Verständniß für dieneue Richtung, klammerte sich unbesonnen an jeden noch so unberechtigtenBrauch und schädigte damit die Sache, die er vertrat. Er kanntenur Verdammung und Verketzerung für Jeden, der die ausgefahreneStraße um einige Schritte verließ. Wie er sich gegen MendelssohnsPentateuch-Uebersetzung und Wesselys Vorschläge zur verständigenErziehung der jüdischen Jugend stemmte (o. S. 39, 89), ebenso trater mit blindem Eifer jeder noch so unschädlichen Neuerung entgegen.Die österreichische Regierung wollte ein Verbot gegen die unter denJuden übliche Beerdigung der Leichen wenige Stunden nach demStillstand der Athmungsorgane erlassen. Sie kannte den Stand derFrage, wußte, daß sich Mendelssohn gegen die Hast der Beerdigungausgesprochen hatte (o. S. 29) und verlangte von Landau eine Wider-legung der Gründe oder Zustimmung. Landau, von Erhaltungseifergeblendet, sprach sich mit schwachen, sophistischen Beweisen, geradezugegen den Geist des Talmud, im Sinne seines ehemaligen GegnersJakob Emden für die Beibehaltung dieses Brauches aus^). Damitdrückte der Prager Oberrabbiner den Aufgeklärten den Pfeil in die

st Sammler, Jahrg. 1786, S. 121.

9 Das. Jahrg 1788, S. 77 und 145; auch selbständig abgedruckt unterdem Titel

9 Sammler, Jahrg. 1786, S. 184 f.