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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

jüdisch-berlinischen Geistes wurden und ihn überallhin verbreiteten.Sic wurde eine Musterschule für deutsche und außerdeutsche Gemeinden.In demselben Sinne wirkte die damit verbundene Druckerei, welcheeine große Zahl bildender Schriften in hebräischer und deutscherSprache in die Ghettos warf. Der dadurch genährte Geist waranfangs ein Geist der Verneinung, der seichten Aufklärung. SeinZiel war, Alles ans dem jüdischen Leben und der jüdischen Sitte zubeseitigen, was den gebildeten Geschmack verletzte, die Juden lächerlichmachte, aber auch das, was sich nicht dem nüchternen Menschenverständeans den ersten Blick empfahl, Alles auszumerzen, was an das Nationale,an die großen Thatsachen der Vergangenheit erinnerte, überhauptAlles, was die Juden in den Augen der Christen als eine Sonderheiterscheinen ließ. Der höchste Ruhm der Träger dieses Geistes bestanddarin, es den Christen gleich zu thun und von diesen äußerlich undinnerlich durch nichts unterschieden zu werden. Diese nüchternenGleichmacher waren, wie es auch nicht anders sein kann, wenn einegeschichtliche Umwandlung stattfinden soll, von einer Art Fanatismusfür ihre Ueberzeugungen beseelt. Sie faßten das Judenthum als einedeistische Religion mit einigen Glaubensartikeln und einer strengenMoral auf und verwarfen Alles, was über diese enge Grenze hioaus-ging, als Mystik i).Aufklärung, Bildung" war ihr Stichwort, derGötze ihrer Anbetung, dem sie Alles zum Opfer brachten. Siekümmerten sich nicht darum, ob sich eine solche schwachathmigc Religionwird erhalten und den Stürmen trotzen können, Stürmen, die demJudenthum in der Zukunft nicht erspart werden sollten. Sie kümmertensich überhaupt ebenso wenig um die Zukunft des Judenthums, wieum dessen Vergangenheit. Mendelssohn hatte keinen ebenbürtigenJünger von Richtung gebender Bedeutung hinterlassen, der im Standegewesen wäre, die großen Wahrheiten des Judenthums zu erkennenund sie mit der Cultur in Einklang zu bringen. Die Euchels, Löwes,Friedländers,Herz'und fast sämmtliche Measfim-Mitglieder waren mittel-mäßige Köpfe von beschränktem Gesichtskreise, die keinen fruchttragendenGedankenkeim auszustreuen vermochten. Bei aller schwärmerischenBewunderung für Mendelssohn verkannten sie doch den innersten Kernseines Wesens und glaubten ihn immer noch in ihrer Mitte zu haben,während er ihnen längst entrückt war. Sie beredeten sich, daß er esmit den gesetzlichen Vorschriften des Judenthnms und dem Beibehaltendes Eigenartigen gar nicht ernst gemeint, sondern sich nur in dasnationale Gewand gehüllt habe, um die zurückgebliebene Menge nicht

y Vgl. Friedländers Sendschreiben an Teller, wovon weiter unten.