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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Die Juden Berlins.

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daß sie zur Annahme der gebotenen Reformmit wenig Vortheilenund vielen Beschränkungen", namentlich zur Heranziehung zum niederenKriegsdienste, ohne Vollmacht wären. Einzelne Juden, wie die reichenFamilien Jtzig, Banqnier Kohen in Berlin, Bendix Goldschmidin Potsdam, erhielten ausnahmsweise Gleichberechtigung. Es wurdeverfügt, daß man sie in den offiziellen Verfügungen nicht als Judenbehandeln sollte^). Sonst blieb Alles beim Alten oder wurde nur für die ^Juden in Schlesien ein wenig gemildert.

Die öffentliche Meinung war aber, in Berlin wenigstens, denJuden günstiger und nahm sogar auf ihre krankhafte Empfindlichkeit xRücksicht. Als einst Shakespeares Drama derKaufmann vonVenedig" aufgeführt wurde (1788), und man voraussetzte, daß sichdie Juden durch Shylocks Figur und Rolle verletzt fühlen würden,hielt der gefeierteste Schauspieler jener Zeit, Fleck, dem diese Rollezugetheilt war, einen Prolog, von einem Berliner Dichter (Ramler?)eigens dazu gedichtet, worin den Juden Berlins öffentlich Compli-mente gemacht wurden:

Nun das kluge Berlin die Glaubensgenossen des weisenMendelssohn höher zu schätzen anfängt, nun mir bei diesemVolke (dessen Propheten und erste Gesetze wir ehren)

Männer sehen, gleich grob in Wissenschaften und Künsten,

Wollen wir dies Volk durch Spott betrüben? Dem altenUngerechten Haß mehr Nahrung geben? Und RotheDenen ins Antlitz jagen, die, menschenfreundlich gesinnt,

Gegen arme Christen und Juden gleich gütig sich zeigen?

Nein, das wollen wir nicht"").

So hatte sich in der Berliner Gemeinde ein Urstock für die Ver-edlung des jüdischen Stammes gebildet, dessen Bestrebungen, wennauch nicht vom Staate, so doch von der öffentlichen Meinung begünstigtwurde. Durch zwei Organe wirkte dieser Keimansatz auf weitere Kreise,durch die Freischule (Oiiiuuuoli Xearim) und die damit verbundeneDruckerei. Die Freischule, von David Friedländer und seinemSchwager Jtzig Daniel Jtzig geleitet, war gerade nicht nach Wessely'sIdeal und Lehrplan angelegt. Die Gegenstände von allgemeinenWissensfächern nahmen den Hauptplatz ein und verdrängten nach undnach das sogenannte Jüdische (Hebräisch, Bibel, Talmud) aus demLehrplan. In zehn Jahren (1781 1791) wurden in dieser Schuleüber 500 gutunterrichtete Zöglinge ausgebildet, welche Sendboten des

9 König das. S. 331. F-riedländer das. S. 44 f.; Jolowicz, Juden inKönigsberg,- S. 105.

'h König, Annalen, S. 329.

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