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Geschichte der Juden.
der Juden bloßlegten. Es charakterisirt den Urheber dieses Gesuchs,David Friedläuder, daß er sich schämte, darin von Juden und jüdischerNation zu sprechen und dafür eine besondere Umschreibung wählte:„jüdische Colonie in den preußischen Staaten."
Die Deputaten zählten die Gelderpressungen auf, denen die Judenunter den lächerlichsten Titeln unterworfen waren; z. B. den Porzellan-Export, der sie verpflichtete, Porzellan von der schlechtesten Beschaffenheit(spottweise Judenporzellan genannt) um den höchsten Preis von derköniglichen Fabrik zu kaufen und nach dem Auslande zu verkaufen; dieUnterhaltung einer Mützen-, Strumpf-, Beuteltuch- und Bloudenfabrik.Sie wiesen auf die drückenden Beschränkungen hin, daß sie nicht einmalX vor Gericht gleichgestellt waren, klagten besonders über die ihnen auferlegteVerantwortlicheit Aller für Alle und forderten kühn vollständige Gleich-berechtigung, nicht bloß Zulassung zum Ackerbau und sämmtlichen Ge-werben, sondern auch zu Aemteru uud Universitätslehrstühlen (Mai 1787)Die kühne Hoffnung der Berliner und preußischen Juden wurde jedoch^ getäuscht. Der preußische Staat hat sich nie leicht im Geben gezeigt.Nur der Zwang, schlechtes Porzellan unterzubringen, wurde für eineSumme von 4000 Thlrn. aufgehoben. Auch der schändliche Leibzollwurde für die einheimischen Juden abgeschafft, wenn sie von Provinzzu Provinz reisten, für die Fremden jedoch nur, wenn sie die Messezu Frankfurt a. O. besuchten (Dezbr. 1787, Juli 1788). Mit dieserEntfesselung war bereits Joseph II. und Ludwig XVI. von Frankreichmehrere Jahre vorher vorangegangen. Die hohen Behörden hattendaher aus Schamgefühl zur Abschaffung des Judenleibzolls gerathen.Aber viel war damit nicht gewonnen, weil preußische Juden sich nachwie vor an den Thoren erst als solche ausweisen mußten, und dem-gemäß der damit verbundenen Entehrung doch nicht entgingen. Die^ übrigen Reformvorschläge wurden lange berathen. Inzwischen hattensich die Schlauköpfe Wolluer und Bischofswerder des schwachenKönigs bemächtigt, ihn durch Gespensterschrecken zu ihrem willenlosen^ Werkzeug gemacht und eine Reaktion gegen die Aufklärung herbeige-sührt. Der Bescheid auf das Gesuch der jüdischen Deputaten fieldaher zuletzt kläglich aus. Was ihnen die eine Hand gab, nahm dieandere wieder. Es gereicht den Deputirten zur Ehre, daß sie daskärglich und engherzig Dargebotene freimüthig zurückwiesen und esanssprachen: „Die Begünstigungen, die uns bestimmt werden, sindunter aller Erwartung und entsprechen den frohen Hoffnungen wenig,die wir bei der Thronbesteigung geschöpft haben"*). Sie erklärten,
*) S. König, Annalen der Juden inden preußischen Staaten,S.326;David Friedländer Aktenstücke zur Reform der jüdischen Kolonien, S. 53 f.;Rönne und Simon, Verhältnisse der Juden des preußischen Staates, S. 212 f.