Die Juden in Preußen.
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wie ihre Freundinnen in Berlin. Diese jüdischen Cirkel widerlegtenaufs Glänzendste die unsinnige Behauptung des hochmüthigen GöttingerGelehrten, „daß sich die Zigeuner weit eher zu einem Volke werdenmodeln lassen, als die Juden". Hier wurde das tausendjährige Vor-urtheil mit einem Hauche weggeblasen, wirksamer als durch hundert ge-lehrte oder beredte Schriften.
Die gesellschaftliche Annäherung und Gleichstellung der Juden inden gebildeten Kreisen ließen sie in Preußen die Hoffnung hegen, wenn ^auch nicht eine vollständige Einbürgerung, so doch eine Erleichterungder sie so schwer bedrückenden Gelderpressungen und Erniedrigungenzu erlangen. Zwischen der gesellschaftlichen Stellung gebildeter Judenund ihrer gesetzlichen Behandlung war nämlich eine tiefe Kluft. DieBehörden behandelten diejenigen, welche ihnen durch Reichthum undBildung so weit überlegen waren, noch immer als Auswürflinge.
Ein Gesuch, von Ephraim Beitel eingereicht, daß den Juden wenigstensgestattet werden möge, Handwerke zu treiben (o. S. 72), wurde nichtbeachtet. Friedrich der Große beharrte bis zu seinem Tode bei seinerAntipathie gegen die Juden. In den bürgerlichen Kreisen waren dieBerliner Juden die ersten Millionäre, was bei der Bedeutung, diedas Geld damals erlangte, nicht gleichgültig war, und doch wurdensie gesetzlich wie Trödeljnden behandelt. Von diesem philosophischenKönig war für eine menschenwürdige Behandlung nichts zu erwarten.Dohms Schrift zu Gunsten der Juden war für ihn nicht vorhanden.Mehr Hoffnung machten sich die Juden Berlins nach der Thronbe-steigung Friedrich Wilhelms II., welcher zwar schwachen Charakters,aber doch auch milden Sinnes war. Von David Friedländer ange-regt, der, als Nachfolger Mendelssohns, zugleich als Vertreter derjüdischen Interessen galt, reichten die Oberältesten und Aeltesten derBerliner Gemeinde ein Gesuch ein, zunächst den Judeuleibzoll in Weg-fall zu bringen, die barbarischen Judengesetze aufzuheben und denJuden Freiheit der Bewegung einzuräumen. Sie erhielten darauf einengünstigen Bescheid, daß sie „redliche Männer aus ihrer Mitte wählen"mögen, mit denen die Regierung darüber verhandeln könnte. Auchihr Antrag, Bevollmächtigte sämmtlicher Juden in den Provinzen (mitAusschluß von Schlesien, Wsstpreußen und Ostfrieslaud) dazu einzu-berufen, wurde genehmigt und eine Commission eingesetzt, die Be-schwerden der preußischen Inden zu untersuchen und Vorschläge zurVerbesserung zu machen. Darauf wurden Generaldeputirte von jüdischerSeite gewählt: Friedländer und sein reicher Schwiegervater DanielJtzig, welche mit vielem Muthe und Sclbstbewußtsein die barbarischeund Geld aussaugende Gesetzgebung Friedrichs des Großen in Betreff
Graetz, Geschichte der Juden. XI. 10