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Geschichte der Juden.
gesucht wurde. Sie hätte, wenn sie nicht von verführerischen Einflüssenirregeleitet worden wäre, segensreich für die Judenheit wirken können.
Henriette Herz (geb. 1764, starb 1847^) war, so zu sagen,ein Sonntagskind, dem das Glück von frühester Jugend an zulächelteund es verhätschelte. Durch ihre Eltern, den Vater Benjamin de Lemos,einen portugiesisch-jüdischen beliebten Arzt, der aus Hamburg stammte,und ihre Mutter, eine Deutsche, vereinigten sich in der Tochterharmonisch die Eigenart südländischen Feuers und spanischer Würdeund deutsche Weichheit und Biegsamkeit. Es war ein äußerst seltenerFall, der noch heutigen Tages nicht häufig vorkommt, daß ein sefar-discher Jude ein aschkenasisches Mädchen ehelichte. Die Eltern dieserFrau (Charlville) sollen auch über diese Verbindung so unglücklichgewesen sein, daß sie um sie, wie um eine bereits Verschiedene, dieüblichen Trauerzeichen beobachtet haben sollen 2).
War es eine Vorahnung, daß aus dieser Verbindung zweierbis dahin fremder Zweige des jüdischen Stammes, aus diesem Durch-brechen der Schranken der Gewohnheit, ein weiblicher Sprößling zurWelt kommen werde, welcher die Schranken der jüdischen Züchtigkeitdurchbrechen und eine trübselige Verirrung erzeugen werde? Das ausdieser halben Mischehe geborene schöne Kind Henriette sah indessen beiihren Eltern das Muster einer glücklichen Ehe, die nicht aus roman-hafter Liebe und sogenannter Wahlverwandtschaft entstanden war. Siewurde in religiöser Innigkeit und in Patriarchalischer Sittsamkeit er-zogen und wurde vermöge ihrer Begabung und leichten Fassungskraftauch in die biblische Litteratur in der Ursprache eingeweiht, wie siedenn überhaupt für fremde Sprachen eine bedeutende Anlage hatte.Durch das südländische Blut, das in ihren Adern rollte, entwickeltesich Henriette de Lemos frühzeitig zu einer der schönsten und lieb-reizendsten Jungfrauen Berlins. Sie machte mit ihrer Gestalt undihren Gesichtszügen Aufsehen, so oft sie sich blicken ließ, und mannannte sie die „tragische Muse". Auf einem hochaufgeschossenen,schlanken, symmetrischen Körper wiegte sich anmuthig ein kleiner Kopf,der mit allen Reizen einer klassischen Schönheit geziert war, einergriechischen Nase, feurig dunkeln Augen, glänzend schwarzen Haaren,
*) Ihre Biographie hat sie theilw eise selbst — ein wenig geziert — zusammen-gestellt, überarbeitet von I. Fürst, Berlin 1850. Ergänzungen dazu finden sichin dem Briefwechsel Schleiermachers, Wilh. v. Humboldts, Rahels und besondersinVarnhagens Nachlaß, herausgegeben von Ludmilla Assing. sVgl. auch L. Geigerin AD« II, 258 sf.j.
'-) OrsZ-oirs, snr ls, reZ'suerution ciss Inits, p. 217, Note 14, vgl.
dazu Frankels Monatsschrift Jahrg. 1868, S. 212.