Henriette Herz.
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Hunger auf die französische Litteratnr und eignete sich deren Formenan; freilich zog damit auch die französische Leichtfertigkeit mit einAuch die klugen Töchter Israels gaben sich dieser Modcthorheit mitallem Eifer hin; sie lernten französisch, allerdings anfangs, um mitjungen Hofcavalieren, welche bei ihren Vätern Anleihen machten, indieser Modesprache verkehren zu können. Es war ein Schmuck mehr,den sie sich umhängten. Durch Mendelssohns und Lessings Einflußwich diese Tändelei dem ernsten Streben, sich gründliche Bildung an-zueignen, um mit den Männern auf gleicher Höhe stehen zu können.Mendelssohns Töchter, in stetem Verkehr mit gebildeten Männern,gingen darin voran und erregten Nacheiferung. In keiner Stadt Deutsch-lands gab es daher so viel gebildete jüdische Mädchen und jungeFrauen als in Berlin, und sie waren in der Litteraturkenntniß ihrenchristlichen Schwestern bei Weitem überlegen; sie lernten leicht undwaren nicht trägen Geistes.
Mendelssohns Haus war ein Mittelpunkt für wissenschaftlicheund literarische Unterhaltung geworden, der um so lieber ausgesuchtwurde, als seine Freunde darauf rechnen konnten, ausgezeichnete Fremdebei ihm anzutreffen, die von seinem weitverbreiteten Ruhme sich an-gezogen fühlten, und von ihnen Neues zu erfahren 2). Seine Töchterwurden zu dieser witzigen und geflügelten Unterhaltung zugelassen undzogen ihrerseits gleichalterige Freundinnen heran. Nach MendelssohnsTode traten als selbstverständlich David Fricdländer und MarcusHerz an dessen Stelle. Friedländer war aber zu steif und hausbacken,um eine Anziehungskraft auszuüben. So wurde denn Herz' Haus derSammelpunkt der Freunde Mendelssohns, und es erweiterte sich zueinem viel größern Kreise. Herz war ein gesuchter Arzt und hatte eineausgebreitete Bekanntschaft unter angesehenen jüdischen und christlichenFamilien. Seine Vorlesungen zogen Personen verschiedener Ständein sein Haus, von denen die Wißbegierigen auch in die Vertraulichkeitdes Familiencirkels gezogen wurden. Herz besaß einen beißenden Witz,womit er die Unterhaltung würzte. Aber mehr noch als seine Wissen-schaft und sein Geist fesselte seine Frau. Sie bildete einen förmlichenZauberkreis, dem Alles, was es in Berlin an einheimischen undfremden Personen von Auszeichnung gab, gewissermaßen znflog. TerUmgang mit der schönen und begabten Jüdin Henriette Herz wareine Zeitlang nächst dem Hofkreise das, was am meisten in Berlin
Z Vgl. Jakob Emden mi-mi rin-ü- 2 , 1768, S. 38: 711.1 vn 1 ::,
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Fürst, Henriette Herz' Erinnerungen, S. 19.
2) Henriette Herz das., S. 123; Gronau, Dohms Leben, S. 125.