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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Berliner Juden und Jüdinnen.

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guter Mathematiker. Es war vielleicht eine Thorheit, daß er nachWien ging, um dort Vorlesungen über diese Philosophie zu halten (um17931798), da in Oesterreich damals weder Sinn, noch Verständnißfür die metaphysischen Subtilitäten und für sittliche Lauterkeit vor-handen war, wie sie Kants System verlangte. Er konnte sich dahernicht lange in Wien behaupten. Aber anfangs wurde ihm doch dieUniversität für seine Vorlesungen eingeräumt. Man denke nur, füreinen Juden und für eine Philosophie, welche dem Katholicismusjede Berechtigung abspricht! Er mußte sie indeß bald einstellen; aberGraf Harrach räumte ihm sein Palais dafür ein. Als er auch daauf Hindernisse stieß, verließ er die Kaiserstadt, setzte seine Vorlesungenin Berlin fort und war eine Zeitlang Redakteur einer Zeitung. Ansden Gang der jüdischen Geschichte in der Neuzeit hat Bendavid nurnumerklich eingewirkt.

Deutsche Juden haben sich aber nicht bloß durch MendelssohnsAnregung in raschem Fluge zur Höhe der Cultur hinaufgeschwungcu,sondern auch unverkennbar die Verbreitung und Verallgemeinerungdes gebildeten Bewußtseins in christlichen Kreisen gefördert. Geist-volle Juden und Jüdinnen haben zunächst in Berlin jenen gebildetenWeltton geschaffen, der die Eigenthümlichkeit dieser Hauptstadt gewordenist und von hier aus anregend auf das übrige Deutschland eingewirkthat. Juden und Jüdinnen haben zuerst hier einen Salon für geist-volle Unterhaltung begründet, in welchem die Elemente des höhernDenkens, des Geschmackes, der Poesie und der Kritik, in anmuthiger,leichter Form untereinander gemischt, verarbeitet, geklärt und für Menschenverschiedenen Berufes zugänglich gemacht wurden. Die christliche Be-völkerung Berlins war zur Zeit Friedrichs des Großen und seinesNachfolgers noch sehr, sehr kleinstädtisch. Der Adel und die hohenWürdenträger waren viel zu vornehm und ungebildet, um sich umCulturverhältnisse und die große Welt zu kümmern. Für sie war derHof und die kleinlichen Alltäglichkeiten ihres Kreises die große Welt.Die Gelehrten vertraten das Zopfthum, und einen höhern reichenBürgerstand gab es nicht. Die Mittelklassen lebten nach Art ihrerVäter in deutscher Beschränktheit und Altväterlichkeit, versammeltensich höchstens beim Kruge Bier und kauten an den Wiederholungenvondes alten Fritz Siegen". Die Frauen zumal lebten ehrsam und

Man könnte kaum drei oder vier besonders jüngere gebildete jüdische Haus-väter finden, unter denen nicht jedesmal wenigstens ein Kantianer wäre." Wasin Schleiermachers Munde ein Tadel ist, gereicht den Juden zur Ehre, daß siesich nicht mit seinen und Fichtes Phantastereien abgegeben, sondern zu Kantsgesunder Geistesnahrung gegriffen haben.