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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Diese Art offenherziger Schriftstellerei war damals in demsteifen, zopfigen Deutschland etwas Außerordentliches und machte Auf-sehen. Maimons Lebensbeschreibung drang dadurch in viele Kreiseund gewann ihm zahlreiche Leser. Die beiden deutschen Dichter-Größen Schiller und Goethe waren förmlich in diesen jüdischencynischen Philosophen vernarrt. Der Letztere hegte sogar den Wunsch,ihn in seine Nähe zu ziehen^). Der Ruhm machte Maimon wederbesser noch glücklicher. Er behielt seine regellose Lebensweise, wieseine polnischen Manieren bei und mußte bis an sein Lebensendevon Unterstützung leben. In den letzten Jahren zog ihn Graf Kalk-reuth in seine Nähe und machte ihn gewissermaßen zu seinem Haus-philosophen. Er führte ihn später (um 1795) ans sein Gut in Nieder-Siegersdorf (Schlesien), versorgte ihn vollständig bis zu dessen Tode,ließ ihm völlige Freiheit der Bewegung und der Lebensweise undertrug seine Ungezogenheit mit stoischem Gleichmuthe. MaimonsLeiche wurde nach Glogau gebracht und dort von der jüdischen Ge-meinde ebenso unanständig bestattet, wie er unanständig gelebt hatte").Salomon Maimon hat dem jüdischen Stamme nur mit seinem KopfeEhre gemacht, mit seinem übrige» Wesen dagegen hat er ihn verunehrt.

Der dritte jüdische Denker dieser Zeit, Lazarus Bendavid(geb. in Berlin 1762, starb das. 1832), hatte weder den tragischen,noch den komischen Lebensgang Maimons. Er war eine prosaische,etwas denksteife Persönlichkeit, die an jeder deutschen Universität einenLehrstuhl für Logik und Mathematik recht gut hätte einnehmen und Jahraus, Jahr ein denselben Lehrinhalt unverkürzt und unvermehrt hättevortragen können. Nur für die Kantische Philosophie hatte Bendavidmehr glühende Wärme, mehr Begeisterung und Hingebung, da er sieals die Wahrheit erkannt hatte und auch ihre sittlichen Prinzipientreu befolgte. Diese Philosophie war so recht für Juden erdacht,weil sie eine sehr hohe Denkkraft und sittliche Bethätigung verlangt.Darum hatte Kant, wie ehemals Aristoteles, viele jüdische Bewundererund Anhänger b). Bendavid war auch talmudisch geschult und ein

9 Maimoniana, S. 197. Aus Varnhagens Nachlaß, Briefwechsel zwischenRahel und David Veit I, S. 243 f. 247 und andere Stellen, II, S. 23.

") Man hat damals viel von Intoleranz gefaselt, daß die Glogauer Ge-meinde Maimon nicht eine Ehrenbestattung hat zukommen lassen; auch seinBiograph machte Phrasen darüber. Aber wie hätte sie einen Mann auszeichnensollen, der das Judenthum praktisch und theoretisch negirt, und sich nicht gescheuthatte, es auszusprechen, daß er zum Christenthum übertreten wollte? (lieberMaimons Lebensgang vgl. ferner Prantl in der ADB XV, 1V7 f. über seinePhilosophie, Erdmann, Gesch. d. neueren Philos., Bd. III, Abth. 1, S. SIV ff.s.

b) Schleiermacher, Briefe bei Geleg. der Erl. theol. Aufgabe, S. 22: