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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Zöllner: Du, Jude, mußt drei Thaler Zoll erlegen!

Jude: Drei Thaler? so viel Geld? mein Herr, weßwegen?

Zöllner: Das fragst Du noch! weil Du ein Jude bist.

Wärst Du ein Türk', ein Heid', ein Atheist,

So würden wir nicht einen Deut begehren,

Als einen Juden müssen wir dich scheeren.

Jude: Hier ist das Geld! Lehrt euch dies euer Christ?

Der erste deutsche Dichter aus jüdischem Stamme war einWeltschmerz-Dichter. Der Spiegel der Dinge zeigte ihm nur Fratzenund Zerrbilder, die er in kleine Versrahmen als Epigramme brachte.

Kuh und Maimon zogen bei ihrer ersten Bekanntschaft einanderan, obwohl der eine von der Philosophie und der andere von derDichtkunst nicht allzuviel verstand. Kuh, selbst hülfsbedürftig, konnteseinen Gesinnungsverwandten und neuen Freund nur durch Empfeh-lungen an Breslauer Familienväter, welche mit dem Judenthumemehr oder minder zerfallen waren, unterstützen; aber diese Unterstützungenvereitelte Maimon selbst durch die Fortsetzung seines zuchtlosen Lebens.Mit lustigen Brüdern trieb er sich in Schänken und unanständigen Häusernherum. Zum zweiten Male, und noch empfindlicher als früher, wurdeder philosophische Sünder an die rauhe Wirklichkeit gemahnt. SeineFrau kam aus Polen und führte ihm seinen ältesten Sohn, einen fastzwanzigjährigen Jüngling, in polnischer Tracht und mit polnischemWesen, zu, und drang darauf, daß er für sie sorge, oder sich von ihrscheide. Der Rabbiner Isaak Joseph Theomim-Fränkel, der Stamm-vater würdiger Nachkommen, (starb 1793) lud ihn vor sein Tribunalund hielt ihm vor: ein Vagabund, der seine Frau so viele Jahre ver-läßt, ihr nicht schreibt, nicht für sie sorgt, kann zur Ehescheidung ge-zwungen werden. Diesem im Namen der Religion und der Sittlichkeitsprechenden Rabbinen setzte Maimon Hohn entgegen. Mit Rechtnannte ihn Theomim-Fränkel einen unverbesserlichen Ketzer, der demBann verfallen sei.

Maimon konnte sich auch in Breslau nicht behaupten, reistewieder nach Berlin (um 1788), wollte sich zum zweiten Male ansNoth taufen lassen'), fand indessen wieder an Bendavid, vr. SaulAscher und Markus Herz Beschützer. Der Letztere empfahl ihn anKant, dessen philosophisches System damals die Köpfe beschäftigte.Ist es nicht eine beachtenswerthe Erscheinung, daß die KantischePhilosophie, die einzige, welche fruchtbare Wahrheiten enthält, vonsehr wenigen Fachphilosophen in ihrer Tiefe begriffen, drei jüdischeApostel fand, welche sie verständlich und anwendbar gemacht haben?

') Wolf, Mcnmoniana, S. 84.