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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Ephraim Kuh.

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Maimon, ein rabbinisch-gelehrter Pole, Judenthum und Sitte so frechverhöhnen konnte, in unangenehme Berührung. Er bedrohte ihn mitdem Bann; aber die Drohung Prallte an diesem hartgesottnen Un-gläubigen wirkungslos ab; er schlug sie mit einem derben Witze inden Wind. In Hamburg konnte er sich natürlich eben so wenig wiein Holland halten, kam abermals nach Berlin und wurde abermalsvon Mendelssohn und seinen Freunden aus Mitleid unterstützt. Aberum nicht Zengen seiner ärgerlichen Lebensweise zu sein, schickten sieihn nach Dessau und gaben ihm zum Schein literarische Beschäftigungen.Er überwarf sich nichtsdestoweniger mit seinen Berliner Gönnern undbegab sich nach Breslau, fand hier aber nicht die erwartete warmeAufnahme, weil sein schlechter Ruf ihm vorangegangen war.

Hier nahm sich seiner der jüdische Dichter Ephraim Kuh(geb. in Breslau 1731, starb 1790') an, weil er sich dem estnischenjüdischen Philosophen geistesverwandt fühlte. In Kuhs Brust rastendie Dämonen des Zwiespalts, welche der Uebergang aus der altjüdischeuGewohnheit in die nenerschlossene Welt in ihm entfesselt hatte. Aucher war in der Jugend mit der talmndischen Litteratur vertraut gemachtworden, wurde aber durch die Bekanntschaft mit einem Polen vonMaimons Schlage vom Judenthum losgelöst, ohne jedoch so viel Sympa-thie für das Christenthum zu gewinnen, um sich demselben anschließenzu können. Er konnte den Zwiespalt seines Innern nicht bewältigen,weil er ohnehin ein zerfahrener Charakter war, wodurch er keine festeStellung im Leben gewinnen konnte und um seine Habe gekommen ist.Auf seinen ziellosen Reisen war er bei jedem Schritte durch den Juden-leibzoll an sein Bekenntniß, dem er innerlich entfremdet war, gemahntworden. Aeußere Umstände, Verlust seines Vermögens und diedadurch herbeigeführte Abhängigkeit trugen dazu bei, sein Gehirn zuzerrütten. In Sachsen hatte er einst eine Kerker- und ansehnlicheGeldstrafe wegen Verheimlichung seines Bekenntnisses erlitten, die ihnzur Verzweiflung brachte. Er rächte sich dafür durch eine beißendeSatyre:

') Seine Biographie hat Moses Hirschel, ein Schlesier, dargestellt. Siewurde in den schlesischen Provinzialblättern, XIII, 23 sf. vgl. XV, 542 vonProf. Manso ohne Wissen des Autors abgedruckt, auch im ersten Bändchenvon Kuhs hinterlassenen Gedichten, Zürich 1792, wiederh. jEine Auswahlder Epigramme veröffentlichte Th. Seemann 1872 in Dresdens- BertholdAuerbachs RomanDichter und Kaufmann", dessen Held Kuh ist, ist einegelungene Photographie des Helden und der chaotischen Zeitepoche. jVgl. auchI. Franck, in d. Allgem. Dtsch. Biogr. s. v. mit nicht ganz präcisen Angabenüber den Lebensgang und I. Landsberger in Branns Jahrb. zur Belehrungund Unterhaltung, 46. Jahrg. (1898), S. 31 s.s.