ließen ihn die Apothekerknnst erlernen; aber er war nicht im Stande,sich in das Praktische zu schicken. In seiner cynischen Lebensweiseund seiner grellen Offenherzigkeit nannte er selbst Mendelssohn einenHeuchler, weil diesem werkthätige Tugend und Lebensheiligkeit höherals philosophische Floskeln standen. Dieser, die verkörperte Mildeund Nachsicht, mußte endlich dem philosophisch verwilderten Polenvorhaltein daß er auf keinen Lebensplan bedacht sei, daß er schädlicheAnsichten verbreite und in dem üblen Rufe stehe, sinnlichen Ver-gnügungen ergeben zu sein. Maimon war aufrichtig genug, diesesAlles einzngestehen und in seiner philosophischen Verderbtheit ihm insGesicht zu sagen: alle Menschen seien Epikuräer^).
Von Mendelssohn und seinen Freunden als unverbesserlich anf-gegeben, mußte Maimon wieder planlos in der Welt umherirrenund konnte es wegen seiner Verwilderung nirgends zu etwas bringen.In Holland, wo er, durch den Weisen von Berlin empfohlen, guteAufnahme fand, verdarb er es ebenfalls durch seine cynische Lebensweise,verletzte die Frommen und Anständigen und erregte so sehr den Un-willen gegen sich, daß ihm die Juden Steine nachwarfen 2). Er hattesich selbst in die Lage gebracht, an Selbstmord denken zu müssen, umseinem elenden und nutzlosen Leben ein Ende zu machen. Auch zueinem geistigen Selbstmorde traf er Anstalten. Er, der an nichtsglaubte, setzte sich in Hamburg mit einem Geistlichen in Verbindungund wollte zum Christenthume übertreten, allerdings mit der Ein-schränkung, daß es ihm freigestellt bliebe, an Jesus und andere Kirchen-dogmen zu glauben oder nicht zu glauben. Natürlich mochte derVertreter der Kirche einen entschieden verwilderten Ungläubigen nichtin die Kirche aufnehmen. Auch der Versuch, den Maimon machte,sich als Dreißiger neben Knaben auf die Schulbank zu setzen, um sichgründliche Sprachkenntnisse anzueignen, scheiterte an seinem Hang zurUngebundenheit, die sich gegen jede Zucht bäumte. Er gab auch zueiner komischen Scene Veranlassung, indem der dreißigjährige Gymnasial-schüler durch einen Vermittler von seiner Frau aufgefordert wurde,zu ihr nach Polen zurückzukehren oder ihr den Scheidebrief zuzuschicken.Er glaubte mit dem Judenthum und seiner Vergangenheit gebrochenzu haben, und wurde auf eine so empfindlich-rauhe Art daran ge-mahnt, daß er ihnen doch nicht entfliehen konnte. Bei dieser Gelegen-heit kam er auch mit dem Rabbiner Raphael Kohen, der ihn undseinen Vater von Polen aus kannte und garnicht begreifen konnte, wie
*) Selbstbiographie II, 197.
^ Wolf, Maimoniana, S. 178.