Salomon Maimon.
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das Himmelreich des Rechtes und der werkthätigen Liebe zu erobern,für alles dieses hatte Maimou kein Verstäudniß. Es waren für ihngleichgültige Dinge, mit denen sich der Denker gar nicht zu befassen habe.In dieser Verkehrtheit seines Geistes scheute er jede Thätigkeit; müßig-gängerisches Brüten und Formelnschmieden war seine Hauptbeschäftigung.Er konnte darum zu keinem festen Ziel im Leben gelangen und taumeltevon Thorheit zu Thorheit, von Elend zu Elend. Er sah recht gutden Splitter in Anderer Augen, aber nicht den Balken in seinemeigenen. Seine harmlose Offenherzigkeit artete in Cynismus aus.'Durch sein unkluges Benehmen verletzte er nicht bloß den Wahnglaubensondern auch das religiöse Zartgefühl und machte sich in Posen Feinde,die ihn als Ketzer verabscheuten. So konnte er sich nicht länger andiesem Orte halten; es drängte ihn überhaupt, seine Kenntnisse zuerweitern, oder wie er sich ausdrückte, sich darin zu vertiefen.
So kam Maimon um 1779 nach Berlin, wo durch MendelssohnsAnregung in jüdischen Kreisen viel, meistens in oberflächlicher Auf-klärung, philosophirt wurde. Hier bekam er zuerst eine deutsche Schriftüber Metaphysik in die Hand und lernte daraus das ganze Gebietder Philosophie kennen, ohne die Sprache recht zu verstehen. Aberwas ihm die Sprache dunkel ließ, errieth sein scharfer logischer Geist.Von den talmudischen Studien her gewöhnt, ans einem hingeworfenenWorte eine ganze Gedankenreihe rasch zu erfassen und ebenso raschdie versteckten Fehler darin zu finden, entdeckte Maimon allsogleich dieübereilte Beweisführung vom Dasein Gottes in der damals gangbarenPhilosophie, widerlegte sie und schickte sie in hebräischer Fassung Mendels-sohn zu. Dieser erkannte sogleich den Scharfsinn in dem neu ange-kommenen Polen, nahm sich seiner an, zog ihn in seinen Kreis undverschaffte ihm eine leidliche Existenz, die für den an Entbehrungen Ge-wöhnten mehr als genügend war. An Mendelssohn hätte sich Maimonzur Weisheit hinaufrankcn können, aber er bildete sich gerade inBerlin zum vollendeten Zweifler aus. Alle Wahrheiten lösten sichihm in Verstandesformeln ans, denen die Wirklichkeit nicht entspreche,die Gottheit selbst war ihm nur ein leerer Begriff ohne Inhalt.Auch das Sittengesetz hatte keinen Gehalt in seinen Angen. DasZiel des Menschen sei einzig und allein, das formale Denken zuüben. Jdeeen erzeugen, sie spalten, klären, widerlegen, das sei Allesin Allem; alles klebrige sei kaum der Rede werth. Von solchenGrundsätzen durchweht, ließ er sich von jungen Leuten zu einer aus-schweifenden Lebensweise verleiten, machte unsittliche Gänge mit undkam in üblen Ruf. Einer anhaltenden Beschäftigung war sein Hangzum Müßiggang und zum Grübeln geradezu abgeneigt. Seine Gönner