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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

jüdisch-deutschen, polnischen Brocken mit grammatischen Fehlern zu-sammengesetzt", wie er sich selbst schildert, und stellte sich in diesemlachenerregenden Aufzuge einigen gebildeten Inden in Königsberg mitden Worten vor: er habe die Absicht, sich auf die Wissenschaft zuverlegen. In diesem zerlumpten Polen erweckten die neuen Eindrücketiefe Gedanken,, die sich bei jedem seiner Schritte ins Leben reiferentwickelten. Seine Reise von Königsberg über Stettin nach Berlinwar eine Kette mitleiderregenden Elends. In Berlin wurde ihm vondem Vorstande der Aufenthalt nicht bewilligt. Die Polen, welchesich vom Talmud losgesagt und dem Wissen zngewandt hatten, standenim Gerüche arger Ketzerei und gaben nicht selten Veranlassung zumArgwohn i). Maimon war aufrichtig genug, die Richtigkeit dieserBenrtheilung zuzugeben.Die wissensdurstigen Polen sind mit einemMenschen zu vergleichen, der nach langem ansgestandenen Hunger aufeinmal an einen wohlbesetzten Tisch kommt", er greift mit Heißhungerzu und sättigt sich bis zum Ueberladen^). In Berlin abgewiesen, mußteMaimon sich einem Landstreicher von Profession anschließen und mit-betteln, um nur sein Leben nothdürftig zu fristen, bis er halbnackt inPosen ankam, wo sich der junge scharfsinnige Rabbiner Hirsch Janow,dieses Muster selbstloser Frömmigkeit, der Eiferer gegen die Mendels-sohn'sche Uebersetzung (o. S. 40,) ohne ihn nach seiner Rechtgläubigkeitzu fragen, seiner annahm, ihn speiste und kleidete. Hätte Maimon,anstatt für Verstandesformeln zu schwärmen, für sittliche Größe einenempfänglichen Sinn gehabt, so hätte auch sein Geist an diesem RabbinerHirsch Janow, den er so sehr verehrte, gesunden können, wie sich seinLeib durch dessen Sorgfalt erholte. Er hätte an einem lebenden Bei-spiel lernen können, daß echte Frömmigkeit, wenn auch durch falscheVorstellungen getrübt, die Blüthe aller Tugenden, Selbstlosigkeit, Hin-gebung und Menschenliebe fördert. Allein in der Vereinsamung seinesGeistes und in seiner müßiggängerischen Lebensweise war Maimondurch Verkennung des Maimunischen Systems zu der anfangs dunkelnund dann immer klarer hervortretenden Ueberzeugung gekommen-, daßfolgerichtiges, formales Denken, Urtheilen, Schließen, Auflösen, Zer-gliedern das höchste Verdienst des Menschen sei. Für sittliches Thun,für Thätigkeit überhaupt, für das Eingreifen in das Weltgetriebe,für die Forderung, den Geist als Hebel zu benutzen, um der Natur ihreBeute abzujagen, den Menschen von seiner Selbstsucht zu befreien undihn zu gemeinnütziger, sittlicher Thatkraft anzuspornen, für den Trieb,

st Ephraim Kuhs Biographie von Moses Hirschel, Einl. zu Kuhs Gedichten I.S. f.

-) Das. 271.