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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Auch tiefe philosophische Denker, wenn auch nicht erster, so dochzweiter Größe gingen in dieser Zeit aus dem Schooße der Judenheithervor, die Mendelssohn an Gedankenschärfe fast überflügelten. Essind besonders drei namhaft zu machen, die, obwohl in MendelssohnsSystem geschult, doch die Schwächen desselben bald erkannten und sichneueröffneten Bahnen zuwandten: Marcus Herz, Salomon Maimonund Bendavid. Ihr Lebensgang veranschaulicht in engem Rahmen,wie sich der jüdische Stamm im Großen aus der Gedrücktheit undDumpfheit zur Freiheit und Klarheit emporgearbeitet hat. Marcus(Mardochai) Herz (geb. in Berlin 1747, starb das. 1803*) war derSohn armer Eltern, dessen Vater, gleich Mendelssohns Erzeuger, sichund die Seinigen vom Abschreiben hebräischer Pergamente kümmerlichernährte. Er wurde in dem von Ephraim Beitel gegründeten Lehr-haus talmudisch gebildet. Aus Dürftigkeit konnte er jedoch trotz seinerBegabung nicht bei diesem Studium verbleiben, sondern mußte imfünfzehnten Jahre als Handlungslehrling nach Königsberg gehen. In-dessen zog ihn der Wissensdrang von dieser Beschäftigung bald wiederab und führte ihn zur Universität, weil die Albertina damals jüdischeJünglinge allenfalls zur medicinischen Fakultät zuließ. Aber nochmächtiger zog ihn die Philosophie an. Geweckte jüdische Köpfe, welchesich auch nur ein wenig in dem Labyrinth des Talmuds zurecht ge-funden hatten, pflegten eine Vorliebe für metaphysische Untersuchungenzu hegen. Herz galt dafür, mit demder jüdischen Nation eigenenScharfsinn" begabt zu sein. Kant, welcher damals an seinem ge-dankenstürmenden System arbeitete, sah ebenso oft Herz unter seinenZuhörern, wie die medicinischen Lehrer, zeichnete ihn aus, zog ihn inseinen näheren Umgang und behandelte ihn als seinen Lieblingsjünger.Als er beim Antritt seiner Professur dem zopfigen Gebrauche gemäßein philosophisches Thema öffentlich vertheidigen sollte, fand er für dieRolle eines Beistandes keinen geeigneter als Herz. Einige Vertreterder Universität machten zwar Schwierigkeiten, einen jüdischen Studenten,wie begabt und den christlichen überlegen auch immer er sein mochte, eben-bürtig zuzulassen 2 ). Kant aber bestand darauf und setzte seine Zulassungdurch. Ans Geldverlegenheit, und weil ein Jude an der KönigsbergerUniversität nicht zum Doctor geschlagen werden durfte, begab sich Herz

*) Seine Biographie« sind gegeben in Schlichtegrolls Nekrolog derTeutschen für das neunzehnte Jahrh. Bd. III., S. 27 f. (auch ausgenommenin Sulamith dritter Jahrg., Bd. II, 1811, S. 77 f.) und in den Erinne-rungen seiner Frau Henriette Herz, bearbeitet von I. Fürst, Berlin 1850,S. 91 f. sVgl. auch L. Geiger in der ADB. XII, 260 f.j.

2) Jolowicz, Geschichte der Juden in Königsberg, S. 92.