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Geschichte der Juden.
Berlins überragten bei weitem den christlichen Bürgerstand. Aberwas sollten sie mit ihrem Reichthum beginnen? Zum Kreis des Adelsund des Hofes wurden sie nicht zugelaffen, auch der zopfige Bürger-stand verschloß seine Thür diesen jüdischen Emporkömmlingen, answelche er mit Neid blickte. So blieb den reichen Juden nur litterarischerVerkehr übrig, wofür sie von Hause aus eine Vorliebe mitbrachten.Alle oder doch die meisten hatten in der Jugend mit dem TalmudBekanntschaft gemacht und waren mit der Bücherwelt vertraut. DieserUmstand gab ihrem Streben einen idealen Zug; sie beteten nicht bloßden Mammon an. Lesen war ihnen in den Mußestunden ein Bedürfniß.Sobald die deutsche Litteratur in ihrer Mitte durch Mendelssohn ein-gebürgert war, zogen sie auch diese in den Kreis ihrer Beschäftigung,sei es in dem ernsten Streben sich zu belehren, oder um die Modemitzumachen. Sie hatten auch in diesem Punkte einen Vorsprungvor der christlichen Bürgerwelt, welche in der Regel von Büchernnichts wissen mochte. Für litterarische Erscheinungen interessirten sichdie jüdischen Kaufleute, Fabrikanten und Bankhalter ohne weiteres,als wenn sie zur Gelehrtenzunft gehörten, in der Zeit, welche derchristliche Bürger und Handwerker beim Kruge zuzubringen Pflegte.
Doch die nächste Anregung ging von Königsberg aus, dessenJudengemeinde gewissermaßen als eine Kolonie von Berlin anzu-sehen war. Wie in allen von Deutschen bewobnten Städten, so warauch hier und in Ostpreußen überhaupt den Juden die Ansiedelungerschwert, angefochten und verbittert worden. Der deutsche Zunftgeistund das verfolgungssüchtige Lutherthum verwehrten ihnen lange denZutritt und nörgelte gegen die Wenigen, welche der große Kurfürstund der erste König von Preußen unter tyrannischen Beschränkungenzugelassen hatten. Erst um die Mitte des achtzehnten Jahrhundertskonnte die kleine Gemeinde dazu gelangen, eine Synagoge zu bauen.In Königsberg hatten es Einige durch Fleiß und Umsicht zu Reich-thümern gebracht und nahmen an der in Deutschland durch die fran-zösische Litteratur aufdämmernden Cultur Antheil. Drei BrüderFriedländer (Bärmann, Meyer und Wolf) waren tonangebend*).Dieser Familie gehörte David Friedländer an (geb. 1750, starb1834), dieser Affe Mendelssohns, welcher vermöge seiner Verschwägerungmit dem Bankhause Daniel Jtzig in Berlin (seit 1771) Einfluß er-langte und die Verbindung zwischen Berlin und Königsberg vermittelte.Auch er bildete später eine Stimme im Chor der Erwecker. Ein Er-eigniß war es für die Köuigsberger Juden, als Mendelssohn 1777 auf
st S. darüber Jolowicz, Geschichte der Juden in Königsberg, 1887, S. 1—93.