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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Richtige aus der Vergleichung der Talmud-Zwillinge zu finden undSchlußfolgerungen zu ziehen. Aber nicht bloß die talmudischen Fächerbeschäftigten seinen Geist. Elia Wilna suchte wieder abermals eineSeltenheit in seiner Umgebung die Bibel auf und eine nochgrößere Seltenheit er machte sich auch mit der Formenlehre derhebräischen Sprache (Grammatik) vertraut. Weit entfernt, wie seineLandsleute, außertalmudisches Wissen zu verachten oder gar zu verab-scheuen, befaßte er sich auch mit Mathematik und schrieb ein Buch überRaumlehre, Algebra und mathematische Astronomie. Er regte seineZuhörer und Freunde an, sich in die Profanwissenschaften zu vertiefenund sprach seine Ueberzeugnng offen aus, daß durch dieselben dasJudenthum nur gewinnen könne. Nur seine skrupulöse Frömmigkeit,die Makellosigkeit seines Wandels, seine Selbstlosigkeit und sein Fern-bleiben von jedem Amte und jeder Ehrenstellung mochten ihn davorgeschützt haben, wegen seiner Beschäftigung mit außertalmudischenWissensfächern verketzert zu werden.

Einen guten Geist hat Elia Wilna besonders unter die lit-thauischen Juden gepflanzt. Seine Söhne und Jünger hielt er dazuan, das Einfache aufzusuchen und sich von der Klügelei des polnischenTalmudstudiums fern zu halten. Sie folgten seiner Weisung getreuund vererbten diesen Geist weiter. Bei Elia Wilna bewährte sich derschöne talmudische Spruch:Wer den Ehren entflieht, den suchen sieauf." Er wurde frühzeitig als Autorität und als Mann der Wahr-haftigkeit auch auswärts anerkannt. Eine Schattenseite seines Wesenswar, daß er auch von dem Wahne befangen war, die häßliche Kabbalasei eine echte Tochter des Judenthums und enthalte Wahrheit. Erbeschäftigte sich daher mit ihr ebenso ernstlich, wie mit der Bibel unddem Talmud. Jakob Emdens Beweise von der Falschmünzerei desSohar erschütterten seinen Wahn nicht. Die Befangenheit trübteseinen sonst klaren Blick und machte ihn auch unfähig, die Bibel inihrem wahren Lichte zu sehen; er sah sie nur durch eine gefärbteBrille. Elia Wilna war tief betrübt über die sittlichen Verheerungen,welche die Kabbala durch den Schwindler Frank unter den podolischenund galizischen Juden angerichtet hatte. Er war unglücklich darüber,daß sie dieselben in die Arme der Kirche geworfen und zu Feindender Synagoge gemacht batte, und doch konnte er sich von ihr nichtlossagen. Selbst als ihm die Gefährlichkeit dieser Lügenlehre durchdas Auftreten der Chaßidäer näher rückte und ihn zwang, den Kampfgegen sie aufzunehmen, konnte er seine Vorliebe für die Kabbalanicht loswerden und hielt die neuauftauchende, widerliche Erscheinungnur für einen Mißbrauch derselben.