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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Seite
109
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Elia Wilna.

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seines Wissens und der vollen Anerkennung, die ihm nah und fernzu Theil wurde, vermied er es mit Bescheidenheit und Gewissen-haftigkeit, sich geltend zu machen. Die Befriedigung, welche dieForschung, das Suchen nach Erkenntniß gewährt, genügte ihm voll-ständig. Schlicht und einfach wie sein Wesen und sein Thun warauch die Art seiner Geistesthätigkeit. Es versteht sich von selbst, daßder Talmud mit seinen Nebengebieten und seinen Ausflüssen seinenGeist ganz erfüllte. Aber er verabscheute die verderbliche Methodeseiner Landsleute, sich in Haarspaltereien, Spitzfindigkeiten und Künsteleienzu ergehen. Er wollte nur in den einfachen Sinn des Textes ein-dringen, machte auch einen Ansatz zur Prüfung und Berichtigung derLesearten und blies solchergestalt durch die Ermittelung eines sinn-gemäßen Wortes in dem verdorbenen Texte die Kartenhäuser um,welche die Talmudbeflissenen in ihrer Sucht nach Klügelei auf Flug-sand aufgebaut hatten. Elia Wilna ähnelte in seiner Methode derForschung Salomon Lurjasst, eines der Begründer des Talmud-studiums in Polen; nur war sein Blick erweiterter und seine Kennt-nisse mannigfaltiger. Es gehörte eine außerordentliche Geisteskraftdazu, gegen den hochangeschwollenen Strom der Gewohnheit zuschwimmen und sich von den Verirrungen loszuwinden, denen sämmt-liche Söhne des Talmud in Polen verfallen waren. Elia Wilna standauch vereinzelt in seiner Zeit und seiner Umgebung da. Als hätteer von Jugend auf gefürchtet, in die Jrrgänge seiner Landsleute zugerathen oder von ihnen auf Irrwege geführt zu werden, schloß ersich keiner Schule an, sondern war eine erstaunliche Erscheinungsein eigener Lehrer im Talmud. Nur einen einzigen talmudischenAnleiter hatte er, der die Richtung seiner Studien anregte, MoseMargalit aus Ke yd anie, der sich nach David Frankel (o. S. 4)auf die Erforschung des palästinensischen (strusalemischen) Talmudverlegt, in seinem Vaterlande damit keinen Anklang gefunden hatteund zu Wanderungen bis nach Südfrankreich und Italien gezwungenworden war^). Dieser hatte den jungen Elia Wilna auf ein Gebiet auf-merksam gemacht, dessen Vernachlässigung die polnischen Talmudistenin so traurige Verirrungen geführt hatte. Elia Wilna sah richtigein, daß die gründliche Erkenntniß des palästinensischen Talmud derFaden sei, welcher dazu anleitet, sich auch in dem Labyrinth des be-vorzugten babylonischen Talmud zurecht zu finden; nur waren seinelitterarischen, vielleicht auch seine geistigen Mittel unzulänglich, das

st Bd. IX, S. 437 f.

st Vgl. seine Approbation zu iurm von 1785 zum Versöhnungstagund seine Einleitung zu seinem Jer.-Commentar .mr» 1770.