Auflösung der Vier-Länder-Synode. 107
sobald nicht, da der schwere Todeskampf, welchen Polen vor seinerersten Verstümmelung zu bestehen hatte, die wohlhabenden Inden harttraf und sie mit Sorgen um die eigene Existenz erfüllte. Es brachder Conföderationskrieg ans, welcher viele Landstriche zur Einödemachte; Polen wurde von der ewigen Gerechtigkeit gerade dadurch be-straft, wodurch es gesündigt hatte. Es hatte im Namen des Papstesund der Jesuiten die Dissidenten allerwärts verfolgt und ihre Ueber-bleibsel von allen Aemtern ausgeschlossen, und im Namen der Dissidentenwarf Katharina die Fackel der Zwietracht ins Land. Die Conföderationvon Bar (in Podolien), geleitet von Pulawski, Potocki und Krasinski,hatte für die Erhaltung der katholischen Religion und der Freiheit,d. h. für die Adelsprivilegien, die Fahne des Aufstandes aufgepflanzt;da hetzten die Russen zum zweiten Male Zaporoger Kosaken, die wildenHaidamaks, gegen die Polen, die mit allen Todesarten gegen polnischeAdliche, Geistliche und Inden wütheten. In der Stadt Homel, dereinzigen festen Stadt in dem Gebiet von Mohilew, wohin sich Allesgeflüchtet hatte, wurden bei diesem Aufstande der Kosaken wie beidem ersten durch Gontas Arglist viele Tausend Juden neben10,000 Polen erschlagen (20. Juni 1768). Die Haidamaks häugtenneben einander einen Edelmann, einen Juden, einen Mönch und einenHund auf und fügten die höhnische Inschrift bei: „Alles ist gleich."Die unmenschlichsten Grausamkeiten wurden an den Gefangenen undWehrlosen verübt. Dazu kamen noch die Türken, welche angeblichals Retter Polens auftraten und ihrerseits mordeten und plünderten.Die Ukraine, Podolien und überhaupt die südpolnischen Provinzenwurden in Einöden verwandelt. Dieser unglückliche Zustand dauertebis zur ersten Theilung Polens. Biele südpolnische Juden siedeltensich vor der Kriegswuth in Volhynien, Litthauen und Kleinrußland au.
Dieses Unglück brachte den Neuchaßidäern mehr Nutzen alsSchaden. Sie breiteten sich auch im Norden aus, und während siefrüher ihr Wesen nur in kleinen und verhältnißmäßig jungen Ge-meinden treiben konnten, faßten sie seit der Zeit Fuß in den großenund alten Gemeinden. Schon war ihre Zahl so sehr gewachsen, daßsie zwei Stämme bildeten: Mizriczer und Karliuer, die erstemnach dem Grundstock, die letztem nach einem Städtchen Karlin(unweit Pinsk) genannt, vielleicht von Ahron Karl in gegründet,einem Bewunderer von Beer Mizricz, der, im sechs und dreißigstenJahre verstorben, von den Chaßidäern als ein „Heiliger und Reiner"verehrt wird. Die Karliner breiteten sich im Norden von Szklow
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