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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Jesuiten geschwächte und von den Russen bereits als eine - sichereBeute angesehene Polen hatte einen Schwächling zum König erhalten,Stanislaus August Pouiatowski, den abgedankten Mitschuldigender ehebrecherischen Kaiserin Katharina, den Spielball der innerenParteien und der äußeren Feinde (Sept. 1764). Im ersten Jahreseiner Regierung erließ Pouiatowski unter andern Gesetzen auch das-jenige, welches den Gesammtverband der polnischen Juden aufhob *).Die Synode der Vier-Länder, welche, aus Delegirten von Rabbinenund Laien (karnassim) zusammengesetzt, die Machtbefugniß hatte,Bannbullen zu schleudern und Geldstrafen zu verhängen, durfte nichtmehr Zusammenkommen, Beschlüsse fassen und ausführen. Wahr-scheinlich haben Juden selbst dem König dazu gerathen, diese Ver-fassung aufzulösen, vielleicht Baruch Ja van, ein erbitterter Gegnerder Sabbatianer und Frankisten, der noch unter Poniatowski Einflußhatte-). Denn wie der polnische Reichstag, so war auch die Synodein Parteiungen zerfallen und hing von der Willkür der Gewaltigenab. Gerade wie im Polenreich die Conföderationen die Macht derRegierung lahm legten, so vereitelten örtliche Versammlungen durchUngefügigkeit und Trotz die Beschlüsse der Eynode. Schon bei denStreitigkeiten für und gegen Jonathan Eibeschütz ^) hatte sich dieParteiung in ihrer ganzen tumultarischen Gestalt gezeigt. So sankdie Vier-Länder-Synode nach einem Bestände von etwa drei halbenJahrhunderten eben so klanglos ins Grab, wie sie entstanden war.Die Zeitgenossen haben es nicht einmal die Mühe für Werth ge-halten, die Urkunden ihrer Thätigkeit zu retten und der Nachwelt zuhinterlassen.

Die Auflösung der Synode kam den Neuchaßidäern außerordent-lich zu Statten. Sie konnten nun von den Vertretern der polnischenGesammtjudenheit nicht mit dem Banne belegt werden, sondern es blieblediglich jeder einzelnen Gemeinde überlassen, gegen sie einzuschreitenund ihre Zusammenkünfte zu verbieten. Aber auch dazu kam es

*) Oraeki, Losxrknva, o LJ'äaeb (Abhandlung über die Juden),. 1807,p. 105 nach der Constitution von 1764. Auf die Aufhebung der Synode spielt nurdas Verdammungsurtheil der Brodyec Gemeinde gegen die Chaßidäer von 1772an: (o'pen ,-io^v) pipN'Z r>ui rn-iu ui- 'urn u'v.n npv.

(in v'ur rviini L' 2 'ip um) .-nu? vu.-n nrorm-i iLi.i vi'.-ivi. sVgl. jedoch Dem-bitzer im Bd. IV des m-won irm, S. 213 f., wonach die letzte Synode 1762stattgefunden hat. Nach Dembitzers Ergebnissen entstanden die Synoden um1500 und gingen um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Folge der verwirrtenpolitischen Verhältnisse allmählich ein.)

-) Vgl. den Brief inFrank und die Frankisten", S. 65, ä. ä. 1768.

-) Bd. X, S. 367.