Der chaßidäische Gebetritus.
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ab oder sagten von ihnen, daß sie sich bloß mit der Aeußerlichkeitder Religion befaßten, ohne in den Kern einzndringen. Ehe sie sich'sversahen, bildeten die Neuchaßidäer eine neue Sekte, welche die Ge-meinschaft mit den talmndischen Juden verabscheute. Schon fühltensie sich, und Beer an ihrer Spitze, stark genug, eine Neuerung einzu-führen, welche, wie voranszusehen war, den Zorn der Rabbinen aufsie herabziehen würde. Da das Gebet und die damit verbundenengottesdienstlichen Riten für sie die Hauptsache war, so kümmerten siesich nicht um die Vorschriften des Ritual-Codex, wie viel gebetet undzu welcher Stunde die verschiedenen Gebete begonnen und beendetsein müßten, sondern nahmen ihre Stimmung zur alleinigen Richtschnurdafür. Durch die täglichen Waschungen, Reinigungen und andere Vor-kehrungen vor dem Gebete, wobei auch das Tabakrauchen eine wichtigeRolle spielte, kamen sie selten dazu, die vorgeschriebeue Zeit für dasGebet einzuhalten, sondern begannen es später, brachten wegen ihrerKörperbewegungen und ihres Singsangs lange damit zu, brachenplötzlich ab und ließen manche Partieen weg. Die holprigen Ein-schiebsel in den Sabbat- und Festgebeten, die Piutim, waren ihnen be-sonders im Wege. Diese Einschiebsel zerstückeln die wichtigsten undanregendsten Hauptbestandtheile des Gebetes. Um sie mit einem Schlageloszuwerden, führte Beer Mizricz das Gebetbuch des HauptkabbalistenIsaak Lnrja ein, welches größtentheils nach der portugiesischen Ord-nung angelegt ist, und jene poetanischen Zusätze nicht enthält. Inden Augen der Stockfrommen war freilich diese Neuerung ein Haupt-vergehen oder eigentlich ein doppeltes, das Weglassen der durch dieGewohnheit geheiligten Einschiebsel und dazu die Umwandelung desdeutschen in den sefardischen Ritus. Einer umgekehrten Umwandlungwürden sich damals auch die gebildetsten portugiesischen Juden, undvielleicht Isaak Pinto an der Spitze widersetzt haben; so zähe hingenja die portugiesisch oder deutsch redenden Juden an ihrer ererbtensynagogalen Verschiedenheit.
Diese Neuerung wäre wahrscheinlich an den Neuchaßidäern strenggeahndet worden, wenn nicht damals, als die politische Macht Polensgebrochen wurde, zugleich der feste politische Zusammenhang derPolnischen Jndenheit aufgelöst worden wäre. Das durch Parteiungzerwühlte Polen, „in dem", wie der Primas von Gnesen bei Er-öffnung des Reichstages, März 1764 klagte, „die Freiheit unter-drückt, die Gesetze nicht befolgt, die Gerechtigkeit nicht gehandhabtwurde, der Handel darnieder lag, Flecken und Dörfer verwüstet, derSchatz ohne Geld, die Münze ohne Werth war"^), dieses von denU Raunier, historisches Taschenbuch, 3. Jahrg., S. 417.