Beer von Mizricz.
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könne, die Gnadenströmc ans die irdische Welt zu ergießen. AberBeer Mizricz' verderbliche Lehre ging noch weiter. „Gottes Herrlichkeitfüllt die Welt" bedeute, daß kein Punkt im Weltenraum, auf Erdewie im Himmel, des göttlichen Wesens baar oder „entleert" sei; inAllem sei die Gottheit vielmehr gegenwärtig, zeige sich ihr Leben.Ganz besonders offenbare sich die Gottheit in dem Thun und Lassendes Zaddik, keine seiner geringsten Handlungen seien gleichgültigerNatur. Wie er sein Kleid trage, seine Schuhe binde, seine Tabaks-pfeife rauche, er möge tiefsinnig predigen oder plumpe Späße machen,das Alles habe eine höhere Beziehung zur Gottheit, bedeute ebensoviel wie eine religiöse Pflichterfüllung. Selbst wenn er aus derFlasche Begeisterung schöpfe, wirke er damit auf die höhere und niedereWell ein. Welcher bodenlose Wahn! Das Alles hat die Afterlehreder Kabbala verschuldet, welche trotz der unsäglichen Verwirrungen,welche sie von Sabbatal Zewi an bis ans Frank zu Wege gebrachthat, trotz der Bekämpfung, die ihre Grundschrift, der Sohar, in der-selben Zeit durch Jakob Emden erfahren hatte *), doch noch immerdie Köpfe der polnischen Inden benebelte. Der Zaddik, d. h. BerischMizricz, sei nach dieser Theorie der Inbegriff aller Macht undHerrlichkeit auf Erden. Er dünkte sich in seinem „Stübel" oder „Klösel",d. h. in seinem schmutzigen Zimmerchen der Zurückgezogenheit, ebensogroß, wie der päpstliche Stellvertreter Gottes auf Erden in seinenPrachtpalästen. Auch Stolz müsse der Zaddik den Menschen gegenübergeltend machen2), das geschehe Alles „zur Ehre Gottes" — einKatholizismus innerhalb der Judenheit.
Beers Theorie sollte aber nicht müßig und unfruchtbar bleiben,sondern ihm Ehren und Ertrag bringen. Während der Zaddik fürden Bestand der Welt, für die Gnadenspenden und besonders fürIsraels Erhaltung und Verherrlichung Sorge trage, sollten seine An-hänger auf dreierlei Tugenden bedacht sein. Es sei ihre Pflicht, sichihm zu nähern, seines Anblickes zu genießen, von Zeit zu Zeit zuihm zu wallfahrten. Sie müßten ferner ihm ihre Sünden beichten;dadurch allein könnten sie auf Sündenvergebung rechnen. Endlich
müßten sie ihm Geschenke, reiche Geschenke bringen, die er auf dasWirksamste zu verwenden wisse. Auch für seine Kehle zu sorgen, seiihre Pflicht. Man glaubt sich in die Zeit der Baalspriester versetzt,so gemein und anwiderud lautet diese Verkehrtheit. Das Traurigedabei ist, daß diese, eines Fetisch aubetenden Volkes würdige Lehre
') Schon 1757 in iEw 's, noch mehr aber in mison 1768.
sch Vgl. jedoch hierzu D. Cahana in der Ztschr. inrri V, S. 635, Note 3.j