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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Anklang fand, in Polen Anklang fand, wo ein Uebermaß von Kundedes jüdischen Schriftthums herrschte. Aber gerade diese Ueberfüllungund, so zu sagen, Ueberfütternng der geistigen Verdauungswerkzengehat diese trübselige Erscheinung zu Wege gebracht. Das Organ desGeistes war unter den polnischen Juden so überreizt worden, daßihnen das Geschmackloseste noch mehr zusagte, als das Geschmackvolle.

Beer sandte ordentliche Apostel zur Verbreitung seiner Lehre aus.Seine brauchbarsten Werkzeuge waren zunächst Joseph Jakob Kohenaus Raschkow, Elimelech aus Lyzensk, Nayum aus Tschernobyl.Prediger mit vielem Schwulst, welche diese verderbliche Lehre mitVerdrehungen von Schriftversen würzten. Einfältige, Schlnuköpfe undMüßiggänger, deren es in Polen so viele gab, schlossen sich den Neu-chaßidäern an, jene aus Neigung zur Schwärmerei und dem Wunder-glauben, diese, die Listigen, um auf eine leichte Weise zu Geld undzu einem vergnügten Leben zu gelangen, und die Müßiggänger, weilsie an der Hofhaltung des Zaddik Beschäftigung und Befriedigung derNeugier fanden. Fragte man die Müßiggänger, woran sie dächten,wenn sie den ganzen Tag mit der Pfeife im Munde umherschlenderten,so antworteten sie alles Ernstes:Wir denken an Gott". Die Einfältigenaber, welche durch die chaßidäische Weise selig zu werden hofften, zer-arbeiteten sich in Gebeten, bis sie vor Erschöpfung ohnmächtig niederfielen.

Zweierlei Umstände haben das Neuchaßidäerthum begünstigt, dieVerbrüderung der Genossen unter einander und die Trockenheit undVerknöcherung des Talmudstudiums, wie es seit mehr denn einemJahrhundert in Polen betrieben wurde. Die Chaßidäer bildeten vonAnfang an unter einander eine Art Ordensgesellschaft, die zwar keinegemeinschaftliche Kasse hatte, wie ehemals die ihnen ähnlichen Essäerund Judenchristen, aber doch für die dürftigen Mitglieder Sorge trug.Bei den Verbindungen, die sie unterhielten, ihrem Auskundschafterwesen,ihrer Geschäftigkeit und Rührigkeit, war es ihnen leicht, die Geschäfts-und Brodlosen unter ihnen irgendwo unterzubringen. Zu dem Neujahrs-und Versöhnungsfeste pflegten auch die Entferntesten sich zum Zaddikzu begeben, eine Wallfahrt, wie einst zum Tempel, zu machen, Frauund Kinder zu verlassen, um die sogenannte heilige Zeit gemeinschaftlichmit dem Oberhaupte zuzubringen und sich an seinem Anblick undGethue zu erbauen. Hier lernten die chaßidäischen Genossen einanderkennen, besprachen ihre örtlichen Verhältnisse und leisteten einanderVorschub. Auch wohlhabende Geschäftsleute fanden bei solchen Ver-sammlungen Gelegenheit, durch Besprechung mit Genossen, auf derenTreue und brüderliche Zugethanheit sie rechnen konnten, ihre Erwerbs-zweige zu finden und zu erweitern. Väter von mannbaren oder halb-