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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

treten. Beer hatte nicht die Kunde von Heilkräutern, welche seinVorgänger in den karpathischen Bergen erlangt hatte. So verlegteer sich darauf, sich einige medizinische Kenntnisse anzueignen, und wenndie Mittel nicht anschlugen, so starb der Kranke an seiner Sünd-haftigkeit. Die Zukunft zu verkünden, war noch schwerer, und dochmußte es geschehen; sein Ruf als Wunderthäter hing davon ab. Beerwußte auch dafür Rath. Er hatte unter seinen Vertrauten einigegewandte Kundschafter, würdig, in der Geheimpolizei zu dienen. Diesebrachten Vieles heraus, was mit dem Schleier des Geheimnisses be-deckt war, und hinterbrachten es dem Meister; so konnte er den Scheinder Allwissenheit annehmcn. Oder seine Spione begingen Diebstähle;wandten sich die Betroffenen an denHeiligen" in seiner Klaus (Llössl),sie zu entdecken, so war er im Stande, den Ort genau zu bezeichnen,wo sich die vermißten Gegenstände befanden. Waren Fremde, vonseinem Rufe angezogen, in seiner Nähe, so wurden sie, wie gesagt,immer erst an dem nächsten Sonnabend zur Theilnahme au demchaßidäischen Hexensabbat zugelasseu. Inzwischen hatten seine Kund-schafter durch geschickte Fragen und anderweitige Ausforschungen dieErlebnisse und geheimen Wünsche der Fremden herausgebracht und siedem Zaddik mitgetheilt. Bei der ersten Begegnung konnte Beer scheinbarharmlos in einer künstlich angelegten Predigt jedem der Fremden einWort hinwerfen, wodurch diese die Ueberzeugnug gewannen, daß erin ihre Herzen geblickt hatte und ihre Vergangenheit kanute. Durchsolche und ähnliche Mittel wußte er sich als Allwissender zu behauptenund die Schaar seiner Anhänger zu vermehren. Jeder Neuangeworbeneverkündete dessen göttliche Begabung und lockte andere Anhänger herbei.

Zur festen Begründung seines Ansehens stellte Beer eine Theorieauf, welche in folgerichtiger Anwendung höchst schädliche und verderblicheErscheinungen zu fördern geeignet ist. Gestützt auf die kabbalistischeFormel,der Gerechte oder Fromme ist der Grund der Welt"'),schraubte er diese Theorie von der Bedeutung des Zaddik oder deschaßidäischen Oberhauptes so hoch hinauf, daß sie Gotteslästerlichkeitaussprach: Ein Solcher sei nicht blos der vollkommenste, sündenloseMensch, er sei nicht blos Mose, sondern der Stellvertreter Gottesund dessen Abbild. Alles und Jedes, was der Zaddik thue und treibeund denke, habe einen entscheidenden Einfluß auf die höhere undniedere Welt. Die lurjanische Kabbala hatte zwar Aehnliches auf-gestellt, daß der Fromme durch Ausübung der religiösen Gebote aufdie Himmelssphäre einwirken und gewissermaßen die Gottheit nöthigen

1) 11L' p'ir, in der Kabbala ursprünglich nur eine Spielerei mit Worten-