Beer von Mizricz.
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Israels Tod in dessen Kreis eingetreten war, so erhielt er doch, inanweiß nicht, ob durch dessen Zustimmung oder nicht, mit Uebergehungvon dessen Sohn und Schwiegersöhnen, die Nachfolgerschaft undFührerschaft über die neuchaßidäische Gemeinde. Beer, welcher denMittelpunkt nach Mizricz, einem Städtchen in Wolhynien, verlegt hat,war seinem Meister in vielen Stücken überlegen. Er war in dastalmudische und kabbalistische Schriftthum eingelesen und ein geschickterPrediger (NaZAnl), der die entlegensten Bibelverse sowie agadischeund soharistische Aussprüche für seine Zwecke zusammenzureimen undseine Zuhörer zu überraschen wußte. Dadurch nahm er von demchaßidäischen Kreise den Makel der Ungelehrtheit, welcher in Polenaußerordentlich schändete, und erhielt einen größeren Zuwachs an An-hängern. Er hatte eine ehrfurchtgebietende Gestalt, mischte sich nichtunter das Volk, lebte vielmehr die ganze Woche hindurch in einemZimmerchen zurückgezogen, nur für seine Vertrauten zugänglich, underlangte dadurch den Schein des mysteriösen Verkehrs mit der Himmels-welt. Nur am Sabbat zeigte er sich allen denen, welche sehnsüchtigwaren, seines Anblickes gewürdigt zu werden. An diesem Tage er-schien er prachtvoll in Atlas gekleidet, Alles weiß (die Farbe derGnade in der kabbalistischen Sprache), Oberkleid, Schuhe und selbstdie Tabaksdose. An diesem Tage pflegte er mit seinen Vertrauten,den Auswärtigen, welche zu ihm gewallfahrtet waren, den Neuan-geworbenen und Neugierigen, welche den kabbalistischen Heiligen undWunderthäter zu sehen wünschten, gemeinschaftlich zu beten, auf die-selbe Weise, wie es Israel Bescht eingeführt hatte. Um die zum an-dächtigen Gebete nothwendige heitere Stimmung zu erzeugen, Pflegteer sich in gemeinen Späßen zu ergehen, z. B. Einen aus dem Kreisenecken und umwerfen zu lassen, wodurch die Anwesenden in eine aus-gelassene Lustigkeit geriethen. Inmitten dieser kindischen Fröhlichkeitrief er plötzlich: „Jetzt dienet dem Herrn in Freude".
Unter Beers Leitung blieb zwar scheinbar das chaßidäische Wesenin derselben Gestalt wie unter seinem Vorgänger: Inbrünstiges,zappelndes Beten, Begeisterung (Hitlndaknt), Wunderkuren und Ent-hüllung der Zukunft. Aber da diese Thätigkeiten nicht wie bei Israelaus dessen eigenartiger Seelenstimmung oder Krankhaftigkeit kamen,sondern nur nachgeahmt wurden, so mußten Künstelei oder Blendwerkdem nachhelfen, was die Natur versagt hatte. Der chaßidäische Führeroder Zaddik, der vollkommen Fromme, mußte nun einmal im Gebetebegeistert, verzückt sein und Erscheinungen haben. Aber wie kann einkluger Rechner begeistert erscheinen? So mußte die in Polen so be-liebte Alkoholflasche die Stelle des inneren, eingebenden Dämons ver-
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