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Geschichte der Juden.
sollt haben, um einerseits der Verfolgung zu entgehen, und andererseitsdem Joche übertriebener Religiosität, dessen sie sich bereits entwöhnthatten, nicht unterworfen zu sein. Solchergestalt entstand die Sekteoder richtiger der Orden der Neuchaßidäer. In einem Jahrzehntsollen sich bereits 10000 Fromme um Israel Bescht geschaart haben,die sich anfangs nur durch ihr sonderbares und langanhaltendes Beten,durch Waschung vor dem Beten nach Art der Essäer, durch ein heiteresWesen und vielleicht auch durch das Tragen eines Gürtels von Baum-wolle statt von Tuch von den übrigen polnischen Juden unterschieden.
Es wurde aber in den neuchaßidäischen Kreisen Ton, über dieTalmudisten zu spötteln. Weil diese sich über das ungelehrte Hauptdes neuen Ordens lustig machten, der einen Anhang hatte, ohne derzünftigen Genossenschaft anzugehören; ohne im Talmud und Zubehöreingeweiht zu sein, setzten die Chaßidäer den Werth des Talmudstudiumsherab, daß es nicht im Stande sei, ein wahrhaft gotterfülltes Lebenzu fördern. Als der Bischof von Kamienez Podolski in Folge dergemeinen Anschuldigungen von Seiten der Frankisten den Befehl er-lassen hatte, Jagd auf die Talmudexemplare zu machen und sie zuverbrennen (Bd. X. S. 387), soll Israel Bescht sich scharf über dieRabbiner ausgelassen haben: Sie allein hätten Schuld an diesemTrübsal, weil sie durch falsche Voraussetzungen Lügenhaftes erdichteten.Er soll auch von dem Vertreter der Vier-Länder-Synode vorgeladeuworden sein, sich darüber zu verantworten, wie er sich, als Unkundigerim Talmud, göttlicher Offenbarung rühmen könne, und er soll ihneneine beschämende Antwort gegeben haben. Doch ist diese Nachrichtnicht als Thatsache anzusehen. Allen Sektenstiftern werden hinterhervon Seiten ihrer Anhänger muthvolle und beschämende Kraftwortegegen ihre Gegner und Richter in den Mund gelegt. Aber ein ver-deckter Krieg bestand zwischen den Neuchaßidäern und den Rabbinernjedenfalls; diese konnten jenen jedoch so lange nichts anhaben, alsIsraels Anhänger sich von dem bestehenden Judenthum nicht entfernten.Die Spannung steigerte sich erst nach dem Tode des ersten Begründersunter Beer von Mizricz, als die Verwilderung und Entartung zu-nahm i), zu einer förmlichen Spaltung.
Dob Beer (oder Berisch) war kein Phantast wie Israel, viel-mehr ein feiner Kopf, der sich auf Seelenzustände und auf das, wasEffekt macht, sehr gut verstand, und sich daher die Gemüther und denWillen Anderer unterthänig machen konnte. Obwohl er erst kurz vor
i) Künstlerisch vollendet ist diese Entartung geschildert in Erters Tmonrin'om Gesammtausgabe »nr.v von Lettens S. 75 f., auch S. 30 und in einemBriefe das. S. 80.