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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Israel Baal-Schein.

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in großen Kreisen beliebt. Israel war nicht wie diejenigen, welchesich mit der Afterwissenschaft der Kabbala beschäftigten, ein Kopfhänger;er ging nicht düster umher, fastete nicht viel, kasteiete sich gar nicht,war vielmehr heiter und lustig und machte derbe Späße. Er behauptete,nur in heiterer Stimmung müssen die Gebete an Gott gerichtet werden,und nur solche wirkten auf die Seele wie auf die Eröffnung derGnadenströme. Traurigkeit und düsteres Wesen waren ihm verhaßt.Geweckter und guter Laune ging er in den Straßen umher, rauchteseine Pfeife, klopfte und streichelte Rosse und sprach mit Jedermann,auch mit Weibern was in Polen damals eines anständigen Mannesfür nicht würdig galt. Das hinderte ihn nicht, zur Zeit des Gebetesoder auch zur Unzeit in sein Kämmerlein zu gehen und sich durchGesang, Geschrei und tolle Körperbewegungen zu betäuben oder inVerzückung zu setzen.

Es wäre mit sonderbaren Dingen zngegangen, wenn ein solcherWunderdoktor, der sichtlich mit der Geisterwelt zu verkehren schien,keine Anhänger hätte finden sollen. Wollte er denn eine neue Sektestiften? Schwerlich. Es schlossen sich eigentlich ihm Gleichgesinnte an,welche einen religiösen Drang fühlten, und ihn weder durch ein strengesBüßerleben, noch durch ein mechanisches Hersagen vorgeschriebener For-meln befriedigen zu können vermeinten. Sie vereinigten sich mit Israelin Miedziboz, um andachtsvoll, d. h. mit Singsang und Händeklatschen,Verbeugen, Körperbewegungen, Springen, unter Lärmen und Schreienzu beten. Fast um dieselbe Zeit entstand in England (Wales) einechristliche Sekte,die Springer" (llumpsrs) genannt, welche sich durchähnliche Bewegungen beim Gebete in Verzückung und Hellseherei ver-setzten. Zur selben Zeit entstand in Nordamerika die Sekte derSchüttler (Limlrsrs), von der Jrländerin Johanna Lee hervor-gerufen, die ebenfalls durch Raserei beim Gebete mystisch-messianischenPhantomen nachjagte. Israel braucht kein Betrüger gewesen zu sein,um Anhänger zu finden. Die Mystik und die Raserei wirken ansteckend.Noch mehr zog er Solche an, welche lustig und heiter leben wolltenund doch dabei eine hohe Lebensaufgabe zu erfüllen gedachten, inHeiterkeit und Sorglosigkeit der Nähe Gottes gewiß zu sein und diemessianische Zukunft zu fördern. Sie brauchten nicht über Talmud-folianten zu hocken, um einer höheren Frömmigkeit theilhaftig zuwerden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die mit dem Bann be-legten und verfolgten Sabbatianer, welche sich anfangs um den Aben-teurer Jakob Leibowicz Frank in derselben Zeit geschart hatten,mit ihm aber nicht durch Dick und Dünn bis zur Schwelle derkatholischen Kirche gehen mochten (Bd. X. S. 378), sich zu Bescht ge-

Graetz, Geschichte der Juden. XI. 7