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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Israel Baal-Schein.

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Bukowina Hineinstreifen, zwischen Kuty (Kutow) und Kassow, amQuellenursprung des Pruth, waren seine Erzieher. Hier lernte er,was er in den dunklen, engen, schmutzigen Löchern, die man in PolenSchulen nannte, nicht gelernt haben würde, das Alphabet der Natur-laute verstehen. Die Gebirgs- und Quellengeister flüsterten ihm Ge-heimnisse zu. Hier lernte er auch, wahrscheinlich von kräutersammelndenBäuerinnen, auf Bergspitzen und an Flußrändern die Verwendungvon Pflanzen zu Heilmitteln. Aber wie diese der Heilkraft der Naturnicht trauten, sondern Besprechungen und Beschwörungen von gutenund bösen Geistern hinzufügten, so gewöhnte sich Israel ebenfalls an dieseHeilmethode. Er wurde ein Wunderdoktor. Auch die Noth war seineLehrerin; sie lehrte ihn zunächst beten. Wie oft mag er in seinerVerlassenheit und Verwaistheit Mangel selbst an trocknem Brod gelittenhaben, wie oft mag er von wirklichen oder eingebildeten Gefahrenumgeben gewesen sein! In solcher Noth betete er die aus der Synagogegeläufigen Formeln; aber er sprach sie mit Inbrunst und tiefer Andachtoder schrie sie in die Bergeseinsamkeit mit lauter Stimme hinaus.Das laute schreiende Gebet erweckte die Echos in den Bergen, welcheihm Antwort auf seine Fragen zu geben schienen. Er scheint nichtselten in eine verzückte Stimmung gerathen und sie auch geradezudurch rasende Bewegung des ganzen Körpers beim Beten hervor-gerufen zu haben. Die Bewegung trieb ihm das Blut in den Kopf,machte seine Augen flimmern und versetzte Leib und Seele in einensolchen Zustand der Ueberreizung, daß er eine Todesschwäche empfand.War es eine magnetische Spannung der Seele, welche die Bewegungenund das schreiende, singende Beten in ihm erzeugt haben?

Israel Baal-Schem behauptete, daß er in Folge solches den Körperaufregenden und aufreibenden Gebetes einen tiefen Blick in die Unend-lichkeit zu erlangen Pflege. Seine Seele stiege bis zur Lichtwelt hinauf,höre, sehe da göttliche Geheimnisse und Offenbarungen, trete in Zwie-gespräche mit den hehren Geistern und sei im Stande, durch derenVermittelung die Gnade Gottes, Glück und besonders Abwendungvon drohenden Gefahren zu erflehen. Auch tiefer Einblicke in die Zukunftdurch Entschleierung ihrer Geheimnisse rühmte sich Israel Miedziboz.War es plumpe Aufschneiderei oder Selbsttäuschung oder Ueberschätzungkrankhafter Seelenerscheinungen? Es giebt Personen, Zeiten undSchauplätze, in denen die Grenzlinie zwischen Betrügerei und Selbst-betrug nicht zu unterscheiden ist. Zn Polen war gerade zur Zeit Israelsin dieser Gegend bei der Ueberspannung, welche die Kabbala dersabbatianischen Schwindelei die fieberhafte Erwartung einer baldigenmessianischeu Erlösung erzeugt hatte, Alles möglich und Alles glaublich.