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Geschichte der Juden.
Grundcharakter des Judenthums verkündigte, und ein eigener Orden,von wundersüchtigen Mitgliedern entstand. Beide Neugestaltungennahmen eine feindliche Haltung gegen das bestehende, althergebrachteJudenthum an und erzeugten eine klaffende Spaltung. Die Geschichteist in ihrer Zeugnugskraft ebenso mannichfaltig und räthselhaft, wiedie Natur. Auch sie bringt dicht neben einander Heilkräuter undGiftpflanzen, liebliche Gebilde und häßliche Sumpfgewächse hervor.Die Vernunft und die Unvernunft gingen gewissermaßen ein Bündnißein, um von zwei Seiten den Riesenbau des talmudischen Judenthumszu zerbröckeln. Den Versuch, den die Geschichte schon einmal gemachthat, als sie zu gleicher Zeit Spinoza und Sabbatai Zewi aufstellte,um an dem bisherigen Bestände des Judenthums zu rütteln, wieder-holte sie, indem sie zu gleicher Zeit einen Vertreter der Vernunftund der Unvernunft gegen denselben bewaffnete. Die Aufklärung unddie kabbalistische Mystik reichten einander die Hände, um das Werkder Zerstörung zu beginnen. Mendelssohn und Israel Baal-Schem,welche Gegensätze! Und doch haben beide unbewußt den Grundbaudes talmudischen Judenthums unterwühlt. Die Entstehung der bereitszahlreichen und in raschem Wachsen begriffenen Neuchaßidäer liegtdem Auge nicht so klar vor, wie die von Mendelssohn angebahnteBewegung. Die neue Sekte, eine Tochter der Finsterniß, ist im Dunkelgeboren und wirkt auch heute noch auf dunklen Wegen fort. Nurwenige Umstände, die zu ihrer Entstehung und Fortpflanzung beige-tragen haben, sind bekannt.
Ihre ersten Begründer waren Israel aus Miedziboz (geb.1698, starb 1. Juni 1759) und Beer aus Mizricz (geb. um 1700,starb 1772Z. Der Erstere erhielt von seinen Verehrern und Gegnernin gleicher Weise den Beinamen: „Der Wunderthäter durch Be-schwörungen im Namen Gottes", Baal-Schem oder Baal Schein-tod und in der damals beliebten Abkürzung Beschiß. So unschönwie der Name Bescht, war das Wesen des Stifters und der Orden,den er ins Leben gerufen hat. Die Huldgöttinnen saßen nicht anseiner Wiege, wohl aber der Wunderglaube, und er füllte sein Gehirnso sehr mit Phantasiebildern, daß er sie von wirklichen, handgreiflichenWesen nicht mehr unterscheiden konnte. Israels Jugenderlebnissesind unbekannt. Nur so viel ist sicher, daß er früh verwaist, arm,sich selbst überlassen war und einen großen Theil seines Jünglings-alters in den Wäldern und Höhlen des Karpathengebirges zugebrachlhat. Die. karpathischen Bergausläufer, welche in Südgalizien und die
9 S. über Beide und den Chaßidismus überhaupt Note 2.
") auch abbrevirt: --r» bnir»