Berlins ängstlich gepocht hatte, ob ihn nicht der christliche oder jüdischeBüttel flammenden Blickes zurückweisen würde, trauerte fast die ganzepreußische Hauptstadt und auch viele andere strebsame Männer in undaußerhalb Deutschlands. Mit Wehmuth theilte Schleiermachers OheimsStubenrauch), ein kirchlich-frommer Prediger, seinem Neffen den Ver-lust mit, den die deutsche Litteratur durch Mendelssohns Tod erlittenhatte i). Am schmerzlichsten wurde dieser Verlust in Berlin empfunden.Es war allerdings nicht mehr dasselbe Berlin, das er so schüchternund verzagt betreten hatte, sondern ein verjüngtes, bereits für dieCivilisation erobertes, an dessen Erziehung auch Mendelssohn seinenAntheil hatte. Schon der Versuch seiner christlichen Freunde Nikolai,Biester und Engel, letzterer Erzieher des damaligen Kronprinzen FriedrichWilhelm III., im Verein mit seinen jüdischen Verehrern auf einerPyramide auf dem Opernplatze neben Leibniz, Lambert und Sulzerauch Mendelssohns Bildniß anzubringen — wenn er auch nicht allge-meine Theilnahme fand — charakterisirt den Fortschritt der Zeit. Derverwachsene Sohn des sogenannten Zehngeboteschreibers von Dessauwar eine Zierde Berlins geworden.
i) Aus Schleiermachers Leben, Briefe I, S. 39.