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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Preßfreiheit allgemein gesetzlich sei, man könnte gegen Wesselys Schriftenschreiben und drucken, aber nichts verfügen, wodurch Jemand gehindertwerde, seine Meinung zu sagen^).

Obwohl die Eiferer ohne Unterstützung von Berlin blieben, sofuhren sie dennoch in ihrer Verketzerungswuth fort, ließen die Kanzelnvon Flüchen gegen Wessely erdröhnen, und in Lissa wurde sein Send-schreiben öffentlich verbrannt. Er machte auch dabei die bittere Er-fahrung, daß er im Kampfe vereinzelt stand. Keiner seiner Gesinnungs-genossen nahm sich seiner öffentlich an, obwohl er die gerechteste Sachemit edlen Mitteln in der anständigsten Weise verfocht^). Mendels-sohn liebte nicht derartige Fehden, war auch damals körperlich undgeistig zu leidend, um sich daran zu betheiligen. So mußte Wesselyfür sich selbst einstehen. Er veröffentlichte daher ein zweites Send-schreiben (24. April), angeblich an die Triestiner Gemeinde gerichtet,worin er nochmals auf die Wichtigkeit des regelmäßigen Unterrichtsund Beseitigung des Schlendrians zurückkam und die Anschuldigunggegen ihn zurückwies. Milde und anständig, wie er war, vermieder es, seine Gegner hart anzufahren; aber unwillkürlich entfuhren ihmtadelnde Aeußernngen gegen die Stockfrömmigkeit und gegen die ein-seitige, verkehrte talmudische Richtung. Das war eben die Ironie dergeschichtlichen Verkettung, daß der Gläubigste unter den Mendels-sohnianern, ohne es zu wollen, den Kampf gegen den Rabbinismuseröffnete, wie der Kabbalist Jakob Emden der Kabbala den erstenheftigen Stoß versetzt hat. Nach und nach sprachen sich mehrereitalienische Rabbiner von Triest, Ferrara und Venedigs) zu WesselysGunsten aus und redeten der Bildung das Wort, obwohl sie nichtüber die Kluft hinweg kommen konnten, welche zwischen dieser unddem riesig angewachsenen Rabbinismus klaffte. Wessely blieb Sieger;die gegnerischen Rabbinen streckten die Waffen. Es entstanden hierund da, selbst in Prag, Schulen für regelmäßigen Unterricht. Aberdie Stocktalmudisten behielten doch Recht. Ihr Argwohn ahnte tieferdie Zukunft als Mendelssohn und Wessely in ihrer Zuversicht..Die starre Form des Judenthums konnte sich nicht behaupten. BeideMänner, welche sich in dem alten festen Gebäude so recht behaglichfühlten, es nur hie und da von Spinngeweben und pilzigen Ansätzengesäubert zu sehen wünschten, trugen selbst zur allmäligen Zerbröckelungseiner Grundmauern bei.

') S. Note 1.

2 ) Wessely beklagte sich darüber im dritten Sendschreiben S. 7.2) Wessely, dasselbe Sendschreiben.