Wessely.
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Rabbinen gegen ihn aufgestachelt zu haben, sein Sendschreiben zuverdammen und ihn selbst in den Bann zu thun*).
An der Spitze der bildungsschenen Eiferer stand abermals EzechielLandau von Prag, der kurz vorher Mendelssohns deutsche Pentateuch-Übersetzung verdammt hatte. Er äußerte sich sogleich in äußerst heftigerWeise in der Synagoge gegen Wesselys „ketzerisches Sendschreiben",obwohl er ihn nicht lange vorher in einem öffentlichen Belobigungs-schreiben aus eigenem Antriebe als Muster der Rechtgläubigkeit auf-gestellt hatte. Sendschreiben flogen von Prag aus an deutsche undpolnische Rabbinen mit heftiger Anfeindung gegen Wessely, als ob erplante, das ganze Judenthum zu untergraben. Sie fanden indessennur bei zwei Winkelrabbinen Anklang, bei dem Rabbinen SalomoBaer (Berusch) von Glogau (starb 1784 2 ), Bruder des NaphtaliHerz, welcher Salomo Dubuo von Mendelssohn abgezogen hatte( 0 . S. 44), und bei David Tewel von Lissa. Dieser ging in seinemEifer so weit, daß er an einem Sabbat von der Kanzel predigte,Wesselys Sendschreiben müßte dem Scheiterhaufen übergeben und selbstdessen ältere Schriften, die er selbst einige Jahre vorher über die Maßengepriesen hatte, müßten bei Seite geschafft werden (Ende März).
Die deutschen Rabbinen verhielten sich aber ruhig. Nur derBerliner Oberrabbiner Hirsche!, von Landau, Berusch und Tewelaufgestachelt, machte Miene, gegen Wessely vorzugehen und sich gegenihn das Censoramt anzumaßen. Hirsche! war vielleicht zu diesemSchritt genöthigt, weil er selbst wegen seiner Nachsicht gegen Mendels-sohn bei den frommen Rabbinen nicht im besten Gerüche stand; seinSohn Saul, später Rabbiner von Frankfurt a. O., stand im Rufe,mit den Neuerern zu sympathisiren. Daher wollte Hirsche! durchirgend einen Akt gegen Wessely die Stockfrommen beschwichtigen. Erzog aber einige Gemeindeältesten hinzu, um seinem Verfahren mehrGewicht zu geben. Allein in der Stadt, wo Mendelssohn, so zu sagen,geistig herrschte, konnte eine, wenn auch gelinde Verketzerung Wesselysnicht durchdringen. Die Vorsteher, meistens seine Freunde und Ver-ehrer, darunter auch David Friedländer und dessen SchwiegervaterDaniel Jtzig, jagten dem Oberrabbiner so viel Schrecken ein, daßer von seinem Vorhaben abließ (April 1782). Mendelssohn ließihm sagen: er möge den Eiferern antworten, daß in Deutschland die
') S. Note 1.
2 ) (Die Unhaltbarkeit der Combination, daß der Glogauer Rabbiner zuden Gegnern Wesselys gehört habe, hat Güdemann in der Monatsschrift fürGeschichte und Wissenschaft des Judenthuins XIX, S.. 480 nachgewiesen undGraetz selber (a. a. O. XX, S. 465 f.) zugegeben. Vgl. den Zusatz zu Note l.s