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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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88 Geschichte der Juden.

So fanden seine mit so viel Wärme geschriebenen Worte sofortBeherzigungfl.

Zur selben Zeit brach aber von den Stockfrommen ein Sturmgegen ihn los. Sie waren besonders über seine Begeisterung fürKaiser Josephs Reformen in hohem Grade erregt. Die unliebens-würdige Art, womit Fürsten die Freiheit zu geben pflegen, derZwang, der den Juden aufgelegt wurde, die natürliche Scheu, vomHergebrachten zu lassen, die naheliegende Furcht, daß durch die Schul-bildung und die theilweise Einbürgerung der Juden die Jugend vomJudenthuine abgeführt werden würde, und daß die Lehrfächer derNormalschule das Talmudstudium verdrängen würden, alles Dieseshatte die Rabbiner und Vertreter des Herkömmlichen gegen KaiserJosephs reformireude Judengesetze eingenommen. Außerdem drängtensich Menschen von zweifelhafter Religiosität, wie Herz Homberg,vor, um an den neu zu begründenden Normalschulen eine Anstellungzu finden und die Jugend zu Neuerungen zu verführen. Es gaballerdings hier und da auch einsichtsvolle Männer, besonders in Prag,welche diese Gesetze als Wohlthat begrüßten, und hofften, daß dieJuden sich nur dadurch dem entsittlichenden Elende entwinden könnenwürden. Aber diese Minderzahl wurde von den Stockfrommen alsNeuerer und Leichtsinnige, denen keine Stimme znkäme, verschrieen.Die religiöse Naivetät, welche von jedem Lufthauch den Einsturz desreligiösen Gebäudes fürchtete, und die Gewinnsucht, welche sich vonder Unwissenheit und der verkehrten Unterrichtsmethode in sprach-verderbender Weise mästete, beide arbeiteten einander in die Hände,um die Gemeinden namentlich gegen die Schulreform einzunehmen 2).Da verdarb ihnen Wessely mit einem Male das Spiel. Er, derbisher als frommgläubig verehrt wurde, redete der Neuerung dasWort. Noch mehr, in seiner unklugen Weise hatte er sich der tal-mudischen Sentenz bedient:Ein Talmudist, der nicht Kenntnisse(allgemeine Bildung) besitzt, ist noch häßlicher als ein Aas." DiesesWort empörte die Stocktalmudisten außerordentlich. Offen durftendie österreichischen Rabbinen nicht gegen Wessely auftreten, da er imSinne des Kaisers geschrieben hatte. Sie scheinen daher einige polnische

fl Vgl. Wesselys Sendschreiben nach Triest in Lsrsiu Obsmsä I., sein zweitesSendschreiben S. 7 b f. und Note 1.

fl Ueber die Voreingenommenheit der österreichischen Juden gegen KaiserJosephs Reformen s. Wessely, Sendschreiben an die Triestiner Gemeinde LsrsruUbsmeä a. a. O.; Friedrichsseld a. a. O. S. 24; Abraham Trebitsch,S. 29 b.