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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Wessely.

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dichtete einen feurigen Lobpsalm auf Kaiser Josephs Herrschergrößeund Hochherzigkeit. Sobald er vernahm, daß die Stockfrommen inWien über den Befehl, Schulen anznlegen, als über einen Gewissens-zwang trauerten, richtete er ein hebräisches Sendschreiben (März 1782):Worte des Friedens und der Wahrheit", an die österreichischenGemeinden, um sie zu ermahnen, denselben als Wohlthat zu begrüßen,sich dessen zu erfreuen und sogleich Gebrauch davon zu machen. Ersetzte darin auseinander, daß es religiöse, selbst vom Talmud empfohlenePflicht der Juden sei, sich allgemeine Bildung anzueignen, daß diesesogar der Kenntniß der Religion vorangehen müsse, daß sie nur dadurchdie Schmach von sich abwälzen könnten, die so lange durch ihre Un-wissenheit auf ihnen lastete. Ganz besonders betonte Wessely dieNothwendigkeit, die barbarische Mischsprache aus der Mitte der Judenzu verbannen und auf Aneignung einer reinen und wohlklingendenSprache bedacht zu sein. Er zeichnete in seinem Sendschreiben eineArt Lehrplan vor, wie die jüdische Jugend von Stufe zu Stufe, vonden Elementargegenständen bis zum Talmudstudium hinauf, angeleitetwerden sollte. Dieses Sendschreiben, mit vieler Wärme, eindringlicherBeredsamkeit und in schöner hebräischer Darstellung gehalten, hättedes Eindruckes nicht verfehlen können, wenn Wessely nicht in seinerPhantastischen Art darin empfohlen hätte, daß die ganze jüdische Jugend,ohne Unterschied der Anlage und des künftigen Berufes, nicht nurin Geschichte und Geographie, sondern auch in Naturwissenschaften,Astronomie und Religionsphilosophie unterrichtet werden müßte, weilman nur durch diese Vorkenntnisse zum vollen Verständniß der heiligenSchrift und des Judenthums gelangen könnte.

Dieses Sendschreiben trug ihm zugleich süße und bittere Früchteein. Die Triestiner Gemeinde, meistens aus italienischen und portu-giesischen Juden bestehend, welche nicht gleich den Deutschen die Bildungals ketzerisch verabscheuten, hatte sich an den Statthalter GrafenZinzendorf gewendet, ihre Bereitwilligkeit, eine Normalschule anzu-legen, erklärt, und gebeten, ihnen zu rathen, auf welche Weise sie sichSchulbücher für den Religionsunterricht und die Sittenlehre verschaffenkönnte. Zinzendorf wies sie auf Mendelssohn hin, dessen gefeierterName bis dahin gedrungen war. Darauf richtete Joseph ChajjimGalaigo im Namen der Triestiner Gemeinde ein Gesuch an denjüdischen Weisen von Berlin, seine Schriften für sie einzuschicken. Beidieser Gelegenheit machte Mendelssohn die Triestiner auf seinen FreundWessely und dessen Sendschreiben zur Empfehlung jüdischer Schulenaufmerksam, und diese knüpften Verbindungen mit Wessely an.