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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Feinheiten, Beziehungen, Andeutungen und Winke. Wessely berauschtesich förmlich bei dieser Untersuchung; innere Offenbarungen überströmtenihn, und er glaubte dem hebräischen Urgeiste nahe zu sein. Hätte ertiefere, namentlich sprachvergleichende Kenntnisse besessen, oder wäreseinem Geiste klare philosophische Erkenntniß und feine Seeleukunde zuTheil geworden, so hätte er bei seiner schwärmerischen Liebe und Hin-gebung für dieses Fach allerdings für das richtige Verständniß derbiblischen Litteratur außerordentliche Leistungen Hervorbringen können.Allein Wessely hatte nur mittelmäßige Geistesanlagen und auch nuroberflächliche Kenntnisse, mehr Streben als Schöpferkraft und keinenureignen Gedanken. Er bewegte sich in hergebrachten Bahnen. Zudemsetzte sich seine Forschung selbst Schranken: nichts zu finden, was demJudenthum irgendwie Abbruch thun könnte. Seine Voraussetzungwar, daß die heilige Schrift die allerhöchste Weisheit in sich schließeund in allen ihren einzelnen Thcilen wiederspiegele. Daher sind seinedrei umfangreichen Werkes, auf die er seine Jugend- und Mannes-kraft verwandte, obwohl sie ihm einen Namen unter seinen Zeitgenossenmachten, werthlos und unbrauchbar. Nur die Form dieser Werke,die Sprachgewandtheit, die er darin zeigte, und der wissenschaftlicheAnstrich, den er ihnen gab, schützten sie, daß sie nicht zum Wust derCommentar-Litteratur jener Zeit geworfen werden.

Schlechte Geschäfte, die Wessely in Kopenhagen gemacht hatte,führten ihn nach Berlin, als wäre er berufen gewesen, in den Kreisder Stadt gezogen zu werden, von dem ans die Verjüngung des jüdischenStammes erfolgen sollte. Mit Mendelssohn kam er (flll 1774) ininnigen Verkehr und wurde von ihm zngezogen, den Commentar zueinem Buche der Pentateuch-Uebersetzung zu bearbeiten. Diese Arbeitträgt ebenfalls bei scheinbarer Tiefe den Stempel seines Geistes:Pedanterie und Phantasterei. Von Kaiser Josephs Gesetzen zuGunsten der Juden und besonders von ihrer Verpflichtung, Schulenanzulegen, war Wessely vollständig begeistert, und sah darin mit seinemDämmerblicke das Hereinbrechen des goldenen Zeitalters für die Juden,während Mendelssohn mit seinem Scharfblicke sich von Anfang annicht viel davon versprach:Es ist vielleicht nur ein flüchtiger Einfallohne Halt oder läuft, wie Einige befürchten, auf eine Finanzabsichthinaus," so äußerte er sich?). Wessely aber stieß in die Posaune und

*) Die drei Werke sind: auch p, (176566), Commentar zu dlliot

m, 1775, und hebr. Uebersetzung der Weisheit Salomos nebst

einem weitläufigen Commentar 1780.

2) Ms. Schreiben an d. h. ',8 aus Glogau in Prag, in dessen

Briese von und an M., Nr. 5. Ges. Schr. VI, S. 453.