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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Wessely.

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Sextinen, Oktaven, Sonette auf die hebräische Sprache an, und sielitt nicht unter dem Schnürmieder einer fremden, aufgezwnngenenTracht. Aber in das tiefe Geheimniß echter Poesie war Wesselykeineswegs eingedrnngen. Er besaß weder Phantasie, noch Lebendig-keit und Anschaulichkeit und noch weniger plastische Malerei undSchwung. Seine kunstgerecht gemeißelten Verse lassen kalt, regenweder die Phantasie zur Selbsttäuschung, noch den Geist zum Nach-denken an. Die Muse hat Wessely nicht geküßt, sondern nur vonFerne augelächelt und ihm nur ihr Spiel gezeigt. Er glaubte, weiler ihre Kunstgriffe erlauscht hatte, ein Dichter zu sein. Ein einzigerVers des unglücklichen Schwärmers Mose Chajjim Luzzatto wiegt diereichhaltige Gedichtsammlung Wesselys auf. Selbst Mendelssohn zeigtein seiner Prosa mehr Poesie, als Jener in seinen Versen. Wesselywar so ziemlich der hebräische Klopstock.

Eine phantastische Schrulle gab seinem Geiste Richtung und be-stimmte auch seinen Lebcnsgang. Bei seiner Versenkung in die heiligeSchrift und ihr Sprachgut vermißte er mit Bedauern manche Bücher,die nur mit ihren Titeln bezeichnet und angeführt werden. Vierund-zwanzig Bücher der biblischen Litteratnr waren für Wessely viel zuwenig. Da stieß er auf eins der apokryphischen Bücher, die sogenannteWeisheit Salomos, welches einen griechisch redenden Juden zumVerfasser hatte, der seine eigenen Worte dem weisen König in griechischerForm in den Mund gelegt hat (B. III., S. 292). Wessely ließ sichvon Titel und Einkleidung desselben so sehr täuschen, daß er es allenErnstes nicht blos für Salomos Gcisteserzeugniß, sondern auch füreinen nrhebräischen Weisheitsschatz ansah, obwohl das griechische Ge-präge desselben nicht zu verkennen ist. Er besaß eben wenig Prüfnngs-sinn und Unterscheidungsgabe. Mendelssohn hätte sich nicht davontäuschen lassen. Wessely machte sich sofort an die Uebersetzung dersalomonischen Weisheit" aus der deutschen Sprache (ver zweiten oderdritten Hand) ins Hebräische und war von deren Gedankentiefe wiebezaubert. Da seine gelungene Uebersetzung den Beifall seines ver-ständigen Oheims fand, mit dem er sich öfter darüber unterredet hatte,so gerieth er immer tiefer in die Selbsttäuschung. Bei dem Bestreben,den Inhalt dieses von ihm bewunderten Buches nach allen Seiten ineine angemessene hebräische Form zu gießen und ihm eine biblischeFärbung zu geben, wurde er auf die feinen Unterscheidungen der sinn-verwandten Wörter im hebräischen Sprachschätze (L^uou^iaa) auf-merksam. Diese feinen Linien anfzusuchen, machte er fortan zu seinerLebensaufgabe. Er forschte und fand im Wörtervorrath, im Bau, inden Formen und im Redegebranch der hebräischen Sprache lauter