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Geschichte der Juden.
Fürth zu wandern gezwungen, kann man seine wirren und un-erquicklichen Schriften dafür verzeihen, daß er im Stande war, Wesselyfür die hebräische Sprache zu begeistern. Seine Mühe war nicht um-sonst. Das Samenkorn, das Hanau ausgestreut hatte, trug tausend-fache Früchte. Allerdings konnte er dem zehnjährigen Knaben nurdie Formenlehre des hebräischen Sprachbaues beibringen; aber er hatteihm eine so tiefe, schwärmerische Liebe dafür eingeflößt, daß Wesselysich selbständig darin vertiefen und mehr, viel mehr darin findenkonnte, als ihm der Lehrer geboten hatte. Der Mittelpunkt seinesinneren Lebens war seit der Zeit die heilige Schrift in der Ursprache;sie nach allen Seiten hin zu verstehen war seine Lebensaufgabe. Durchdie vielfache Berührung seines Vaters im Geschäftsverkehr mit nicht-jüdischen Kreisen erlangte Wessely auch einen Einblick in das wirklicheLeben und lernte auch anderweitige Wissensfächer, neuere Sprachen,Geographie, Geschichte, Reisebeschreibungen kennen. Diese dienten ihmaber lediglich als Hilfswissenschaften für seine Lieblingsstudie, dieheilige Schrift, um mit diesen Mitteln tiefer in ihren Sinn und Geisteindringen zu können. Gleich Mendelssohn war Wessely sein eignerLehrer. Frühzeitig entwickelte sich auch in ihm der Schönheitssinn,Geschmack und Gefühl für reine Sprache und Formen und ein Wider-wille gegen Sprachvermischung und Kauderwelsch, welche unter denJuden deutscher Zunge heimisch waren. Wessely wandte sich dahernoch als Jüngling von den deutschen und noch mehr von den sprach-verderbenden Polen ab und schloß sich den Portugiesen an, welchedie von ihren Vorfahren überlieferte reinere Aussprache des Hebräischentreu beibehalten haben. Wessely glich auch darin Mendelssohn, daßer sich zum sittlichen Charakter von strenger Gewissenhaftigkeit underhöhtem Ehrgefühl ausbildete. Gedanke, Gesinnung, Wort und Thalwaren auch bei ihm aus einem Gusse. Innige, reine Frömmigkeitund unbeugsame Anhänglichkeit an das Jndenthnm waren auch ihmeigen. Nur hatte sein Naturell nicht die sanfte Geschmeidigkeit Mendels-sohns. Er war vielmehr steif und Pedantisch, war mehr Wortklauberund Silbenstecher als Denker und hatte keine richtige Vorstellung vondem Getriebe und Gesumme der weltbewegenden Kräfte. Wesselyblieb sein Lebenlang ein Phantast und erblickte die Vorgänge derwirklichen Welt nur durch gefärbte Gläser. Scheinbar hatte Wesselynach einer Seite hin einen Vorzug vor Mendelssohn: er war Dichter.Aber genau genommen, besaß er nur eine ungemeine Leichtigkeit undFertigkeit, schöne, wohlklingende Verse von untadelhafter Sauberkeit,,anmuthiger Formenglätte und kunstgerechtem Gleichmaß zu machen.Er wendete fast alle bekannten Versmaße der europäischen Poesie:.