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Geschichte der Juden.
ihm innen: Schauder*). Die philosophische Spekulation hatte nurWerth in seinen Augen, insoweit sie diese seine religiös-sittlichenÜberzeugungen unterstützte; so bald sie ihm Zweifel dagegen erregte,kehrte er ihr den Rücken. Er verlangte von der Matrone PhilosophieDach und Fach für sich und seine Familie, nicht Kartenhäuser undLuftschlösser st.
Diese tiefgewurzelte lleberzeugung gab ihm eine von seinenFreunden angestaunte und bewunderte Lebensfreudigkeit. „Die Philo-sophie soll mich glücklicher machen, als ich ohne dieselbe sein würde,und dieser Bestimmung muß sie treu bleiben. So lange sie einegute Gesellschafterin ist und mich auf eine angenehme Weise unter-hält, bleibe ich bei ihr; sobald sie vornehme, frostige oder gar saureGesichter macht und üble Launen bekommt, lasse ich sie allein undspiele mit meinen Kindern ... Ich wähle aus den Systemen derWeltweisen immer dasjenige, was mich glücklicher und zugleich bessermachen kann. Eine Philosophie, die mich mißmuthig, gegen andereMenschen oder gegen mich selbst gleichgültig, gegen Empfindungendes Schönen und Guten und frostig machen will, ist nicht die meinige" st.Darum war ihm das Judenthum so theuer, weil es diese religiös-sittlichen Grundlehren ohne Beimischung, Entstellung und namentlichohne Vermenschlichung Gottes enthalte. Da die religiös-sittlichenWahrheiten nach Mendelssohns Ansicht zur Glückseligkeit des Menschenebenso nothwendig sind, wie etwa die Luft zum Athmeu, so seiendiese Begriffe jedem Menschen auf jeder Kulturstufe angeboren undbrauchten nicht erst offenbart zu werden. Insofern gäbe es keinegeoffenbarte Religion, sondern die religiösen Wahrheiten seien ewigerNatur und ebenso, wie die mathematischen, selbstgewiß. Von derGöttlichkeit des Judenthums, d. h. daß es von Gott dem größtenPropheten am Sinai geoffenbart worden sei, war er ebenso uner-schütterlich überzeugt, und selbst die Wahrheit der durch den Talmudüberlieferten mündlichen Auslegung stand für Mendelssohn fest. DieGewißheit der sinaitischen Offenbarung beruhe auf der Autorität un-verfälschter Ueberlieferung, wie jede geschichtliche Thatsache, die jedenZweifel ausschließt. Ewige Wahrheiten und geschichtliche Wahrheitenseien ihrer Quelle nach verschieden, dem Grade der Gewißheit nachaber gleichbedeutend*). Von dieser Ueberzeugung ausgehend, konnteMendelssohn in seinem „Jerusalem" einige kühne Sätze aufstellen
st Brief an Lessing, das. V. S. 82.
st Schreiben an Elisa Reimarus und ihren Bruder, Ges. Schr., das. S. 704.
st Schreiben an Sophie Becker, einige Zeit vor seinem Tode; das. S. 648.
st Jerusalem, Ges. Schr. III, S. 311 f.