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Geschichte der Juden.
die Religion nur durch eiserne Macht erhalten lasse. .. Ihr ließetEuch vielleicht verleiten, eben dasselbe zu glauben ... O, meine Brüder,folget dem Beispiel der Liebe, wie Ihr bisher dem Beispiele des Hassesgefolgt seid!"
Mendelssohn stand bereits so hoch in der öffentlichen Meinung,daß jede neue Schrift, die seinen Namen trug, begierig gelesen wurde.Die Hauptgedanken des Vorwortes zu Manaffe Ben-Israels Schutz-schrift: daß die Religion keinerlei Recht über ihre Bekenner habe,keine Zwangsmittel anweuden dürfe, machte die Leser betroffen. Daswar bis dahin innerhalb des Christenthums Niemandem eingefallen.Seit dem Tage ihrer Herrschaft hatte die Kirche die Halbgläubigen,die Ketzer und die Ungläubigen mit Bann und Interdikt, mit Feuerund Schwert, mit Kerker, Folter und Scheiterhaufen verfolgt. Derganze Katholicismus beruhte auf Macht und Gewalt; die protestantischeKirche nahm die Kirchendisciplin mit von ihrer ältern Schwesterherüber. Und nun behauptet ein Jude, die Religion sollte nur Mildeund Liebe kennen und gebrauchen! Aufgeklärte christliche Geistliche:Teller, Spaltung, Zollikofer, Büsching und Andere befreundeten sichallmählich mit dem neuen Gedanken und zollten dem Erzeuger desselbenöffentlichen Beifall. Strengkirchliche und harte Köpfe dagegen erblicktendarin eine Zersetzung der Religion: „Dieses alles ist neu und hart. Dieersten Grundsätze werden weggeleugnet," sagten sie. Auch jüdische Kreisehatten Manches gegen Mendelssohns Ansicht auf dem Herzen^). Esschien besonders, als hätte Mendelssohn Plötzlich mit dem Judenthumegebrochen, das doch ein ganz ansgebildetes Strafrecht für religiöseVergehungen und Uebertretungen kennt. Christlicherseits wurde ihmin einer Schrift: „Das Forschen nach Licht und Recht" 2) vorge-halten, daß er endlich die Maske habe fallen lassen; er habe sich derReligion der Liebe zugewendet und seiner angestammten Religion,welche Flüche und Strafen hat, den Rücken gekehrt. „In wie fernkönnen Sie, mein theurer Mendelssohn, bei dem Glauben IhrerVäter verharren und durch Wegräumung seines Grundstockes dasganze Gebäude erschüttern, wenn sie das durch Mose gegebene, aufgöttliche Offenbarung beruhende Kirchenrecht bestreiten? Vielleicht sindSie jetzt dem Glauben der Christen näher getreten?" Der Verfasser,
*) Vgl. Mendelssohns Brief an Herz Homburg, cl. ä. 2V. Juni 1782. Ges.Schriften V, S. 655. Jerusalem, Abschnitt II, Ans , das. III, S. 303.
-) Anonym, angeblich in Wien, aber in Berlin gedruckt. Isaak Euchelbemerkt in seiner hebr. Biographie Mendelssohns, der der damaligen Generationbekannte Verfasser habe Mendelssohn gegen das Judenthum zu schreiben, in-Itiguiren wollen, Asasssk Jahrg. 1788, S. 184, Note.