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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Mendelssohn gegen die Kirchengewalt. 75

Der zweite Punkt, der Mendelssohn in Dohms Schrift nicht ge-fiel, war der, daß sie die jüdische Religion so weit vom Staate aner-kannt wissen wollte, daß dieser ihr das Ausschließungsrecht, eine ArtBann über ungefügige Mitglieder, einräumen sollte. Das schien ihmmit dem Begriffe einer lauteren Religion, wie er sie im Herzen trug,nicht vereinbar. Um von der falschen Fährte abzulenken, in welcheDohms gutgemeinte Schntzschrift hineinzuführen drohte, und zugleichder hartnäckigen Verkennung der Inden so viel als möglich zu stepern,ließ er von seinem jungen Freunde, dem Arzte Marcus Herz, eineUebersetzung aus dem englischen Original von Manasse Ben-IsraelsVertheidigungsschrift für die Juden gegen die vielfachen, lügenhaftenAnschuldigungen (Bd. Xg, S. 109) veranstalten und setzte ihr ein Vor-wort voran, mit lichtvollen erwärmenden Gedanken (März 1782),Rettung der Inden," ein Anhang zu Dohms Schrift. ManassesApologie war in einem wenig gelesenen Buche vergraben; Mendelssohnsorgte dafür, daß die darin enthaltenen Wahrheiten Gemeingut dergebildeten Kreise wurden und gab ihnen durch eine richtige Beleuchtungden rechten Nachdruck. In diesem Vorworte betonte er mit allerSchärfe seine Ueberzeugung, daß wohl die Kirche sich ein Strafrechtüber ihre Mitglieder anmaßt; aber die Religion, die wahre, aufVernunft und Menschenliebe gegründete Religion,bedarf weder Arme,noch Finger zu ihrem Gebrauche; sie ist lauter Geist und Herz. Sieweist auch den Sünder und Abtrünnigen nicht von ihren Pforten zu-rück."Ich finde, daß die Weisesten unserer Vorfahren auf keineAusschließung von gottesdienstlichen Hebungen Anspruch gemacht haben".Der König Salomo flehte Gott an, er möge auch die Gebete der Götzen-diener in seinem Tempel zu Jerusalem erhören. Während des Be-standes des zweiten Tempels nahmen die Priester Opfergaben vonHeiden an. Möge man das Strafrecht für religiöse Vergehungen nochso sehr einschränken, es wird immer bürgerliche Nachtheile nach sichziehen.Noch ist es mit der Bruderliebe unter den Menschen nichtdahin gekommen, daß wir bei Einführung der Kirchenzucht so ganz überalle Furcht und Besorgniß dieser Art hinweg sehen könnten. Noch istkeine Geistlichkeit so aufgeklärt, daß ihr ein solches Recht, wenn es einsgiebt, ohne Gefahr anvertraut werden könnte." Mendelssohn verabscheutedie Bannbefugnisse, ohne auch nur den ganzen Umfang des Nachtheilszu kennen, welchen sie im Verlaufe der jüdischen Geschichte gebrachthaben. Er beschwor daher die Rabbinen und Vorsteher, daß sie sichdes Bannrechtes entäußern mögen.Ach, meine Brüder, Ihr habt dasdrückende Joch der Intoleranz nur allzu hart gefühlt.... alle Völkerder Erde scheinen bisher von dem Wahn bethört zu sein, daß sich