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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Inden.

Verstocktheit, geheime Künste nnd Teufeleien, die uns vorgeworfen, umderentwillen wir gemartert, unseres Vermögens beraubt, ins Elend'gejagt, wo nicht gar hingerichtet worden sind."

Jetzt haben die Zeiten sich geändert, die Verleumdungen machenden erwünschten Eindruck nicht mehr. Jetzt ist es gerade Aberglaubennd Dummheit, die uns vorgerückt werden, Mangel an moralischemGefühle, Geschmack nnd feinen Sitten. Unfähigkeit zu Künsten, Wissen-schaften und nützlichen Gewerben, hauptsächlich zu Diensten des Kriegesund des Staates, unüberwindliche Neigung zu Betrug, Wucher, Gesetz-losigkeit, die an die Stelle jener gröbern Beschuldigungen getreten sind,uns von der Anzahl nützlicher Bürger auszuschließen nnd aus demmütterlichen Schooße des Staates zu verstoßen. Vormals gab mansich um uns alle ersinnliche Mühe und machte mancherlei Vorkehrungen,,uns nicht zu nützlichen Bürgern, sondern zu Christen zu machen, nndda wir so hartnäckig nnd verstockt waren, uns nicht bekehren zu lassen,,so war dieses Grundes genug, uns als eine unnütze Last der Erdezu betrachten, und dem verworfenen Scheusale alle Gräuel anzudichten,die es dem Hasse und der Verachtung aller Menschen blosstellenkonnten. Jetzt hat der Bekehrungseifer nachgelassen. Nun werdenwir vollends vernachlässigt. Man fährt fort, uns von allen Künsten,Wissenschaften und anderen nützlichen Gewerben und Beschäftigungender Menschen zu entfernen, versperrt uns alle Wege zur nützlichenVerbesserung und macht den Mangel an Cultur zum Grunde unsererferneren Unterdrückung. Man bindet uns die Hände und macht uns

zum Vorwurfe, daß wir sie nicht gebrauchen.Indessen hat

doch die Vernunft und der Forschergeist unseres Jahrhunderts nochbei weitem nicht alle Spuren der Barbarei in der Geschichte vertreten.Manche Legende der damaligen Zeit hat sich erhalten, weil nochNiemandem eingefallen ist, sie in Zweifel zu ziehen. Manche sind mitso wichtigen Autoritäten belegt, daß nicht jeder die Stirn hat, siegeradezu für Legende nnd Verleumdung zu halten. Andere habensich den Folgen nach noch immer erhalten, obgleich sie selbst schonlange nicht mehr geglaubt werden. Ueberhaupt ist die Verleumdungvon so giftiger Art, daß sie immer einige Wirkung in den Gemüthernzurückläßt, wenn auch ihre Unwahrheit entdeckt und allgemein aner-kannt wird. In so mancher lieben Stadt Deutschlands wird nochjetzt kein Beschnittener, wenn er auch seinen Glauben verzollt hat, amHellen Tage ohne Bewachung gelassen, ans Beisorge, er möchte einemChristenkinde nachstellen oder die Brunnen vergiften. Des Nachtshingegen wird ihm unter aller Bewachung nicht getraut wegen seinesbekannten Umganges mit den bösen Geistern."