Mendelssohns Rettung der Juden.
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lassen werden mögen, blieb unbeachtet Z. Aber in der Zukunft wurdeMichaelis als Autorität gegen die Inden angeführt. Nur insofernhatte die von Dohm angeregte Bewegung und die Stimmen für undwider gewirkt, daß sich eine öffentliche Meinung über die Judenfragebildete, und diese wirkte nickt in Deutschland, sondern zunächst inFrankreich günstig für sie. Wunderbare Verkettung der geschichtlichenVorgänge! Der giftige Elsässer Landrichter wollte die Juden imElsaß vertilgt wissen und hat durch seine Bosheit gerade die Befreiungder Juden in Frankreich anbahnen geholfen.
Mendelssohn hatte sich auch bei dieser Bewegung wohlweislichim Hintergründe gehalten; er wollte nicht den Schein auf sich laden,ein parteiischer Sachwalter seiner Religions- und Stammesgenossen zusein. Er segnete das Hervorbrechen der Theilnahme an seinen un-glücklichen Stammesgeuossen: „Dank sei es der allgütigen Vorsehung,daß sie mich am Ende meiner Tage noch diesen glücklichen Zeitpunkthat erleben lassen, in welchem die Rechte der Menschheit in ihremwahren Umfange beherziget zu werden anfangen." Indessen regtenihn doch zwei Punkte an, sein Schweigen zu brechen. Er fand, daßDohm noch nicht genug Harpunen gegen das dickhäutige Ungethümdes Judenhasses geschleudert hatte. „Vernunft und Menschlichkeit er-hoben ihre Stimme umsonst; denn grau gewordenes Vorurtheil hatkein Gehör." Dohm selbst schien ihm von dem allgemeinen Vorurtheilnicht frei zu sein, indem er zugab, daß die Juden der Gegenwart ver-dorben, unbrauchbar, ja schädlich wären; darum eben gab er Mittelan die Hand, sie zu bessern. Aber Mendelssohn, der seine Volksge-nossen besser kannte, konnte nicht finden, daß sie so sehr von einemmoralischen Aussatz behaftet wären, wenigstens nicht in einem soweiten Abstand von den Christen derselben Klasse und desselben Ge-werbes, wie die hochmüthigen Christen in Selbstüberschätzung einanderzugestanden. Sehr fein gab Mendelssohn nicht bloß den GöttingerGelehrten Michaelis und Hartmaun, sondern auch Dohm zu verstehen,daß sie die Judcnfrage falsch angegriffen hätten. „Merkwürdig ist es,zu sehen, wie das Vorurtheil die Gestalten aller Jahrhunderte an-nimmt, uns zu unterdrücken und unserer bürgerlichen AufnahmeSchwierigkeiten entgegen zu setzen. In jenen abergläubischen Zeitenwaren es Heiligthümer, die wir aus Muthwillen schänden, Crucifixe,die wir durchstechen und bluten machen, Kinder, die wir heimlich be-schneiden und zur Augenweide zerfetzen, Christenblut, das wir zurOsterfeier brauchen, Brunnen, die wir vergiften u. s. w., Unglaube,
') Mendelssohns Ges. Schr. V, S. 689.