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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Kaiser Josephs Toleranzedikt.

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den Juden zum Auswürfling stempelten, ab; die Juden sollten denchristlichen Einsassen gleichgehalten werden (19. Dec. d. I. Z. VölligeEinbürgerung der Juden hat zwar Joseph II. nicht beabsichtigt; imGegentheil, es blieb ihnen nach wie vor verboten, in solchen Städtenzu wohnen, von welchen die christliche Unduldsamkeit sie bisher aus-geschlossen hatte. Selbst in Wien sollten nur ausnahmsweise Judenfür Schutzgeld (Toleranz) zugelassen werden, und dieser Schutz er-streckte sich nicht auf die erwachsenen Söhne. Nicht einmal eine öffent-liche Synagoge durften sie in Wien halten. Aber er hob doch mancheBeschränkung auf, z. B. den Zwang, Bärte zu tragen, Sonn- undFeiertage Vormittags nicht auszugehen, öffentliche Lustörter nicht zubesuchen. Den jüdischen Großhändlern, Honoratioren und ihren Söhnengestattete der Kaiser sogar, einen Degen zu tragen (2. Jan. 1782").Er drang besonders auf freundliche Begegnung der Juden von Seitender Christen. Klopstock dichtete in Folge dessen eine verherrlichendeOde auf Joseph II.:

Wen saßt des Mitleids Schauer nicht, wenn er sieht,

Wie unser Pöbel Kanaans Volk entmenscht!

Und thut der's nicht, weil unsere FürstenSie in zu eiserne Fesseln schmieden?

Du lösest ihnen, Retter, die rostigeEngangelegte Fessel vom wunden Arm.

Sie fühlen's, glauben's kaum. So langeHat's um die Elenden hergeklirrt." 9

So war denn ein glücklicher Anfang gemacht. Die tausendjährigeSchmach, welche die Lieblosigkeit der Kirche, die Gewinnsucht derFürsten und die Dummheit der Völker auf den Stamm Juda gewälzthatte, war in einem Lande wenigstens theilweise von ihnen genommen.Dadurch fanden Dohms Vorschläge eine weit bedeutendere Beachtung;sie wurden nicht als ideale Träume, sondern als politisch beachtens-werthe Grundsätze angesehen. Gelehrte, Geistliche, Staatsmännerund Fürsten fingen au, sich mit der Judcnfrage ernstlich zn beschäf-tigen. Jeder Denkende in und außerhalb Deutschlands nahm Stellungdafür oder dagegen. Vielfache Stimmungen und Stimmen wurdendarüber laut, die sonderbarsten Vorschläge wurden gemacht. EinPrediger, Namens Schwager, schrieb:Weit bin ich immer davon entferntgewesen, eine unglückliche Nation zu hassen, weil sie Gott auf andereWeise verehrt als ich. Ich Hab' es immer beklagt, daß wir die Judendurch ein drückendes politisches Joch zwingen, uns betrügen zu müssen.

9 Das. Nr. 412.

") Das. Bd. II, Nr 7.

°) Klopstock, Ode an den Kaiser.