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Geschichte der Juden.
obwohl er eigentlich den Schutz für die armen Hausirer, die nirgendsheimisch waren, erfleht hatte. Die einzigen Zeichen der Anerkennung,welche ihm Juden gaben, waren, daß die Berliner Gemeinde ihm zumGeburtstage ein silbernes Besteck schenkte, daß der Vorstand der Judenvon Brasilien ihm ein Dankschreiben zuschickte und daß eine jüdischeFamilie in Breslau ihm zu Ehre» den Namen Do hm 2) annahm.Doch auch zu Gunsten der Inden machte Dohms Schrift einen tiefenEindruck. Ein günstiger Umstand kam ihm zu Gute. Das Glück be-gann den Juden zu lächeln, nachdem es ihnen so viele Jahrhunderteden Rücken gekehrt hatte. Kaum war die Schrift erschienen, so erließKaiser Joseph, der erste österreichische Regent, der sich einigermaßenvönffitklichenUd menschlichen Grundsätzen leiten ließ, nachdem er daskirchlich-katholische Joch gebrochen und den Protestanten ein Toleranz-edikt gegeben hatte, eine Reihe von Gesetzen in Betreff der Juden, die,wenn sie auch gewaltthätiger Art waren, doch von aufrichtiger Menschen-liebe zeugen.
Zunächst wurde ihnen (19. Oktober 1781) das Erlernen vonHandwerken, Künsten, Wissenschaften und auch der Betrieb zum Acker-bau unter Beschränkungen gestattet. Die Pforten der Universitätenund Akademien, bisher ihnen verschlossen, öffneten sich für sie. DieHeranbildung der jüdischen Jugend lag diesem, die „philosophischeMoral" fördernden Kaiser sehr am Herzen. Demgemäß dekretirte erdie Anlegung von jüdischen Elementar- und höhern Schulen (Normal-schnleni und machte auch den Erwachsenen das Erlernen der Landes-sprache zur zwingenden Nothwendigkeit, indem fernerhin nur solcheSchriftstücke Geltung haben sollten, welche in dieser Sprache ausgestelltwären. Zart beseitigte er aber den dabei möglichen Religionszwangfür die Juden. Es sollte beim Unterricht Alles für ihren GlaubenAnstößige weggelassen Werdens. Eine Verordnung verfügte (2. Nov.dess. J-), daß die Juden allenthalben als „Nebenmenschen" geachtetund alle Excesse gegen sie vermieden werden sollten. Die Juden solltensich aber auch allenthalben als rechtschaffene Bürger betragen und nichtaufgeblasen werden^). Auch den die Christen noch mehr als dieJuden schändenden Leibzoll hob Joseph II. glorreichen Andenkenszuallererst auf; ferner schaffte er die doppelten Gerichtstaxen, diePassirscheine, die Nachtzettel und alle ähnlichen Bedrückungen, welche
-) Das. S. 88.
(2) Vgl. ^82 VII, S. 71, ii. 1).
°) Vollständige Sammlung aller Verordnungen und Gesetze Josephs II.(Wien 1788) Bd. I, Nr. 348.