Druckschrift 
11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

Dohms Verbesserungsvorschläge.

67

hoch konnte sich auch Dohm noch nicht versteigen, den Juden garpolitische Rechte einzuräumen. Aber schon die nächste Zeit hat seineBedenklichkeiten Lügen gestraft. Schließlich widerlegte Dohm die Ein-würfe, welche man gegen die Ertheilung von Freiheiten oder deseinfachen Bürgerrechtes, oder richtiger, gegen die Lösung ihrer Sklaven-bande geltend machen könnte und auch gemacht hat! die Einbuße derfürstlichen Kassen durch das Aufhören des Schutzgeldes und der Juden-steuer; Nachtheil, ja Aushungerung der Christen durch Vermehrungder Juden bei unbeschränkter Freiheit; Widerstreit zwischen dem Sonn-abend und Sonntag oder zwischen Gewährung der Freiheit für dieJuden, am Sonntag zu arbeiten, und der nothwendigen Berücksichti-gung des christlichen Feiertags; Widerstreit zwischen der nothwendigenVerpflichtung zum Kriegsdienste und dem Sabbat mit seiner Strenge').

Dohm sah voraus, daß sein Emaucipationsprogramm für dieJuden bei der Geistlichkeit und der Theologenzunft den heftigstenund hartnäckigsten Widerspruch finden-werde.- Er -Wendete sich daheran dieWeisheit der Regierungen", es durchzuführen, welchedamals für Verbesserung und Aufklärung viel geneigter waren alsdie Völker. Dohm war von dem Ernst und der Wichtigkeit seinerAufgabe ganz erfüllt; er war sich bewußt, daß seine Vorschläge nichtbloß das Wohl der Juden, sondern auch das der Staaten begründenwürden. Es ist nicht zu übersehen, daß Mendels sohn hinter ihmstand, und wenn er ihm auch nicht die Worte in die Heder"iMirt-^ hat, so^hat er ihn doch mit seinem Geiste der Milde und Menschen-liebe angehaucht und ihm über die Punkte, welche dem Christen undpolitischen Schriftsteller fremd und dunkel waren, Licht gegeben^).Mendelssohn ist daher, wenn auch nicht als der Vater, so doch alsder Pathe der Dohm'schen Schrift auzusehen.

Hätte diese Schrift nicht in Deutschland großes Aufsehen machensollen? Mußte die Forderung, die Juden gleichzustellen, den ehrsamenChristen nicht als ungeheuerlich Vorkommen, als muthete man demAdel zu, sich mit seinen Leibeigenen an ein und dieselbe Tafel zusetzen? Dohms Emancipationsschrift wurde daher bald nach ihremErscheinen außeror den t lich) volk stbümlicb. wurde gelesen, besprochen,von Vielen bekrittelt, widerlegt und nur von Wenigen gebilligt. DasErste war, daß klatschsüchtige Kreise aussprengten: Dohm habe sichseine Feder von Inden mit einem sehr hohen Preise bezahlen lassen'Z,

') Das. S. 140 f.

2 ) Bon Mendelssohn rühren wahrscheinlich her: Dohms Auslassung überEisenmenger S. 15; über den Talmud S. 2V; über den Krieg am Sabbat S. 154.

") Gronau, a. a. O., S. 85.

5 *