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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

gemäß sei, diese Drückung aufzuheben und den Zustand der Juden zuihrem eignen und des Staates Wohl zu verbessern. Ich wage essogar, demjenigen Staat Glück zu wünschen, der zuerst diese Grund-sätze in Ausführung bringen wird. Er wird sich aus seinen eignenMitteln neue, treue und dankbare Unterthanen bilden; er wird seineeigenen Juden zu guten Bürgern machen" *).

Dohm gab auch die Mittel an die Hand, die Verbesserung derJuden anzubahnen, und seine neuen Vorschläge bildeten ein Programmfür die Zukunft. Sie sollten vor Allem ganz gleiche Rechte mit allenübrigen Unterthanen haben. Ganz besonders sollte ihnen Freiheitder Beschäftigung und des Erwerbes eingeräumt und sie durch weiseVorkehrung von Handel und Wucher abgezogen und zum Betrieb vonHandwerken, zu Ackerbau, zu Künsten und Wissenschaften erzogen werden;aber dies Alles ohne Zwang. Die sittliche Hebung der Juden solltedurch Gründung eigener guter oder durch Zulassung der Jugend zuchristlichen Schulen, sowie durch Hebung des Geistes der Erwachsenenin den jüdischen Gotteshäusern gefördert werden. Aber auch denChristen müßte durch Predigten und andere wirksame Mittel einge-prägt werden, daß sie die Juden wie ihre Brüder und Mitmenschenbetrachten und behandeln müßten. Es versteht sich von selbst, daßDohm ihnen Freiheit in innern, religiösen Angelegenheiten eingeräumtwissen wollte: freie Religionsübung, Anlegung von Synagogen, An-stellung von Lehrern, Versorgung ihrer Armen, allenfalls unter Be-vormundung der Regierung. Sogar das Recht, widerspenstige Ge-meiudemitglieder aus der Gemeinschaft auszuschließen, sollte ihnengewährt werden. Nur dürfte dieser Bann weder geschäftliche, nochbürgerliche Nachtheile, noch Geldstrafe für den Betroffenen nach sichziehen; er sollte lediglich eine religiöse Wirkung haben. Auch dieFortdauer selbständiger Gerichtsbarkeit zwischen Juden untereinandervor dem Tribunal der Rabbinen befürwortete Dohm unter gewisserBeschränkung. Nur ein einziges Recht wollte er ihnen entzogen wissen:ihre Verwendung für öffentliche Aemter oder die Staatslaufbahn.Die Fähigkeit dazu, meinte er, fehlte dem damaligen Geschlecht nochvollends und würde sich auch bei den nächsten Generationen nicht sohäufig zeigen. Ohnehin sei eher Ueberfüllung als Mangel an taug-lichen Staatsdienern vorhanden. Daher sei es für den Augenblicksowohl für den Staat als für die Juden besser, wenn sie mehr inWerkstätten und hinter dem Pfluge als in Kanzleien arbeiteten 2). So

') Das. S. 139 f.

2) Das.S. 126. Die neun Punkte des Programms sind ausgeführt S. 118136.